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Mediengrummel

21. Oktober 2017 | 07:55 Uhr

Mediengrummel : Schluss per SMS

vom

Ist es die feine Art, jemanden per SMS in die Wüste zu schicken? Benimm-Experten streiten sich und unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand fragt sich, wo das Ganze endet.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2011 | 07:37 Uhr

Per Handy-Kurznachricht (SMS) soll ein Freiherr der Neuzeit jüngst der Kanzlerin, die gerade auf einer Messe für Informationstechnik weilte, mitgeteilt haben, dass ihr gemeinsamer Weg zu Ende sei. Die Vergeltung dafür kennen wir: die ARD-Direktübertragung eines schaurig anachronistischen Zapfenstreiches.
Zufall oder nicht - zurzeit möchte die Deutsche Knigge-Gesellschaft, die gerne darauf hinweist, dass auch ein Esel mit goldenem Sattel ein Esel bleibt, per "Urabstimmung im Volk" erfahren, ob das Beenden einer Beziehung per SMS den guten Sitten entspricht. Der Namensgeber der Gesellschaft, ein Freiherr der honorigen Sorte, hat dazu vor seinem Ableben 1796 nämlich nichts gesagt. So ist bis heute umstritten, ob Sandy ihren Boris und Naddel ihren Ralph per SMS etikettengerecht abserviert – Freiherr Knigge würde vielleicht sagen "exmittiert" - haben.
Laut einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Bitkom lehnen 92 Prozent der Deutschen das Schlussmachen per Kurznachricht ab. Trotzdem sollen fast drei Millionen Deutsche eine Trennung auf diese Weise vollzogen haben, meldet die Nachrichtenagentur AFP. SMS-Pöbel oder Zeitgenossen mit korrekten Umgangsformen? Die meisten Benimm-Experten zeigen sich wohl offen, aber eben nicht alle. "Viele Kollegen lehnten das Schlussmachen per Kurznachricht als feige ab", sagte Hans-Michael Klein, Vorstandsvorsitzender der Knigge-Gesellschaft. Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" gab er zu, dass wegen Meinungsverschiedenheit in dieser Frage zehn der 500 Mitglieder ausgetreten seien und sogar eine neue Gesellschaft gründen wollten.
Doch Klein bleibt stur. Er hält eine SMS in bestimmten Fällen für ausreichend, etwa dann, wenn sich beide Seiten nichts mehr zu sagen haben. So gesehen könnte bald gute Schule machen, was die Esten neulich begonnen haben: Wer wollte, konnte bei den jüngsten Parlamentswahlen seine Stimme per SMS übermitteln.

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