zur Navigation springen
Mediengrummel

18. Dezember 2017 | 22:17 Uhr

Mediengrummel : Respekt

vom

"Respekt" voreinander fordert die UEFA von den Fußballbegeisterten. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat sich gefragt, warum das nicht so recht klappen will.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2012 | 08:42 Uhr

"Entscheidend is aufm Platz" und "ein Fußballspiel dauert 90 Minuten". Weisheiten aus Zeiten, in denen Fußballekstase noch hauptsächlich vor dem Radio stattfand. Heute machen Fernsehunterhalter und Hooligans aus einem Fußballereignis ein mehrstündiges "Event". Entscheidend ist dann schon mal, was außerhalb der Rasenfläche stattfindet. Und wir dürfen fast "live" am Fernseher dabei sein, so wie neulich in Warschau, wo Randalierer für ihre Nationen mit Fahnen, Flaschen und Fäusten in die Schlacht gezogen sind.
Dabei tun UEFA und die ihr dienstbaren Fernsehanstalten alles, um die Akteure auf dem Rasen und die Zuschauer im Stadion und zuhause friedlich zu stimmen. Brav spielen die Sender von der Europameisterschaft UEFA-Filmchen ein, die "Respekt" voreinander einfordern und auch "den interkulturellen Dialog zwischen Fans" fördern sollen. Zur Deeskalation ziehen vor dem Anpfiff mit Testosteron gefüllte Kraftpakete putzige Kinderchen in Fußballertrikots hinter sich her in die Arena. Und dann wird in Großaufnahme gesungen, was die Nationalhymnen hergeben: Von blutigen Bannern, von unreinem Blut, von kämpfenden und fallenden Helden, vom Sieg über die Feinde, von Stolz und Ruhm, von Gott und Vaterland, von Treue bis in den Tod, von nahenden Schlachten und scharfen Schwertern, vom Donnern der Kanonen und dem Klang der Kriegstrompeten ... einfach mal zu den Videotext-Tafeln von ARD und ZDF zappen oder im Internet nachlesen.
Da hat man doch fast schon Respekt davor, was dieser Tage ein paar deutsche Fußballhelden - sogar vor dem Spiel gegen Holland - in die gedämmten Mikrophone brummeln. Irgendwas von Einigkeit, Freiheit, Herz und Glück.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen