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Mediengrummel

17. Dezember 2017 | 15:24 Uhr

Mediengrummel : Reise-Promis

vom

Warum schicken Fernsehsender ihre "Promis" immer häufiger in ferne Länder? Weil Reisen bildet, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2013 | 04:21 Uhr

Reisen bildet. Darum schicken Fernsehsender Darsteller, dies dringend nötig haben, in ferne Länder. Ins "Dschungelcamp" nach Australien etwa oder nach Namibia. Dort stöckeln zurzeit für RTL etliche "Wild Girls" durch den Wüstensand und sagen Sätze wie: "Meine Brüste sind verstaucht, also nicht gebrochen, richtig verstaucht." Man sieht, dass Bildungsreisen nicht immer helfen und Botox-Promis auf den Intelligenzquotienten von zehn Quadratmeter Wüstensand kommen können - wenn sie sich anstrengen.
Auch Pro7 befördert einige Damen zu einer TV-Show nach Afrika. "Ein echter Z-Promi-Auflauf", schreibt das Fachblatt "Bild", das unter den Reisenden sogar ein "Teppichluder" ausgemacht haben will. Pro7 fragt sich jetzt: "Verliert ein Zebra die Streifen, wenn es Porno-Star Kelly Trump begegnet?" Ein paar Zurückgebliebene daheim wirds wohl interessieren.
SAT1 dreht aktuell mit unterklassiger Prominenz den Mehrteiler "Big Stars - Promis specken ab" - auf den Lofoten. Warum eigentlich nicht in Afrika? Wo doch in Burundi die Chancen weltweit am besten stehen, sich fernsehtauglich das Wohlstandsfett bis auf die Knochen abzuhungern.
Fehlt noch das ZDF mit seinem Bildungsauftrag. Die Mainzer haben ebenfalls ein paar reiselustige C-Promis gefunden. Die sind nun "Auf der Flucht" von Deutschland nach Eritrea und in den Irak und wollen uns "kleine Einblicke in das Leben von Flüchtlingen geben". Quote macht damit allerdings weniger das ZDF als eine Petition gegen die "zynische Dokusoap" mit "sechs skurrilen Persönlichkeiten". Rund 32 000 Menschen haben den Protest im Internet bislang unterstützt (www.change.org).

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