Mediengrummel : Quotenfrühling

Der Quote nach war der März bestens fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen. Dabei ist die Quote gar nicht so wichtig, hat unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand gelesen.

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02. April 2013, 03:08 Uhr

Quotenfrühling! Wenn dieses Jahr nicht noch ein Komet in fünf Kilometer Höhe an der Erde vorbeipfeift oder Franziskus I. von Joachim I. fernsehgerecht mit der deutschen Staatsbürgerschaft gesalbt wird, dann war der März wohl der Monat mit den höchsten Einschaltquoten. Über 22 Millionen saßen vor ihren Fernsehern, als der Neue in Rom - wie einst Sportschau-Chef Faßbender - mit einem " N Abend allerseits!" sein verzücktes Publikum begrüßte. Im Anschluss an die vatikanische Reality-Show hofften fast zehn Millionen Fernsehzuschauer (vergebens) auf ein Fußball-Hochamt mit dem FC Bayern München. Wenige Tage zuvor hatte sich vor 12,57 Millionen Zuschauern "Tatort"-Polizist Tschiller durch Hamburg geschossen, was der NDR-Intendant als "Top-Ergebnis" bezeichnete. Aber nur zwei Wochen später schlugen die Klamauk-Ermittler aus Münster zurück: 12,81 Millionen gilts jetzt zu überbieten. Freilich, "Tante Jutta aus Kalkutta", eine Theater-Übertragung, hatte 1962 eine Quote von 88 Prozent geschafft.

Dabei ist die Quote gar nicht das wichtigste Kriterium bei den Öffentlich-Rechtlichen, beteuern ARD und ZDF auf einer Internetseite. "Die kommerziellen Anbieter konzentrieren sich auf die Quote ... und damit auf die Steigerung ihrer Werbeeinnahmen", steht da noch. Andernorts wird gejubelt, das ZDF sei 2012 Quoten-Primus gewesen. Außerdem hat das ZDF mit über 200 Millionen Euro, einem Plus von rund sechs Prozent, die höchsten Werbeeinnahmen der letzten zehn Jahre erzielt. Auch dieses Jahr sei man hervorragend gestartet, sagt der Geschäftsführer der ZDF-Werbefernsehen GmbH in bestem Wichtigtuer-Deutsch: "Der beste Start all time".

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