Mediengrummel : Promis prügeln

Die Deutschen sind unzufrieden mit ihren privaten Fernsehprogrammen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hält immerhin "Promi-Boxen" für eine prima Sache.

shz.de von
10. Februar 2013, 02:52 Uhr

Herber Schlag für die Verblödungsindustrie: Die Deutschen sind angeblich unzufrieden mit den "Reality-Shows", "Casting-Shows" und "Doku-Soaps" ihrer Privatsender. Sie halten sie für niveau- und anspruchslos, in ihrer Darstellung primitiv und menschenverachtend, will ein Forschungsinstitut im Auftrag der Zeitung "Werben & Verkaufen" herausgefunden haben. Mehr als die Hälfte der Befragten findet die Programme von RTL, ProSieben, SAT.1, Vox und RTL II unsympathisch. Besonders schlimm hat es wohl SAT 1 erwischt. Auf der Beliebtheitsskala belege der Sender nur den achten Rang, hinter den öffentlich-rechtlichen Programmen Arte und Phoenix.
Demnächst will SAT.1 ein paar Punkte gut machen. Mit "Promi-Boxen", einer Rummelveranstaltung, die früher von ProSieben verbreitet wurde. Vor allem ausgediente Teilnehmer des Grimme-Preis-Anwärters RTL-Dschungelcamp finden hier im Boxring eine Zweitverwertung. Im letzten Jahr brachten sie Bild.de in Verzückung: "Indira siegt im Busenduell" oder "Immer mitten in die Fresse rein". Bei Nico Schwanz, ebenfalls eine Dschungel-Berühmtheit, fragte sich Focus Online: "Wie hart ist der Schwanz wirklich?". Bild.de wusste es dann: "Schwanz macht schlapp".
Vor Jahren hatte der Publizist Roger Willemsen bei "Germanys next Topmodel" (ProSieben) einen "Exzess der Nichtigkeit" festgestellt und bei Heidi Klum "Leere im Kopf wabern gehört". In der "taz" explodierte der Feingeist: "Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln - wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre". Ja, möchte man mitunter. Aber zum Glück übernehmen die Privaten und ihre "Promi-Boxer" das mit dem "herausprügeln" inzwischen selbst.

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