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Mediengrummel : Neue Arbeit für Agent „Adolf“?

vom

Junge Leute in der Türkei finden die deutsche Sprache „cool“. Das macht das Abhören von Telefongesprächen natürlich einfacher, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 25.08.2014 | 06:30 Uhr

Das deutsche Wesen breitet sich in der Türkei aus. Zumindest unter städtischen Jugendlichen. Das beobachtet die Journalistin Cigdem Toprak. Die Tochter türkischer Einwanderer lebt zur Zeit in Istanbul und schreibt in der Zeitung „Die Welt“ von einer Fernsehserie, in der eine türkische Mutter sich die Haare geflochten hat, Dirndl trägt und den ganzen Tag literweise Bier trinkt. Die Schauspieler in derselben Serie verwenden häufig das Wort „über“, um Superlative auszudrücken. „Über sert“ etwa bedeutet „sehr hart“ im Sinne von „krass“. Vor allem bei den intellektuellen Türken sind die deutschen Sprachzutaten beliebt. Bars und Restaurants in Istanbul bieten deutsches Bier an und nennen sich „Autoban“, „Unter“ und „Auf“.

Und ausgerechnet jetzt fliegt auf, dass unser Bundesnachrichtendienst Telefongespräche in der Türkei abhört. Die ganze schöne Lauschidee aus Berlin ist dahin. Hatten die obersten deutschen Schnüffler doch einen genialen Plan. Statt den eigenen dusseligen Schlapphüten mühsam Türkisch beizubringen, sollten die Türken doch lieber unsere Sprache lernen und auf Deutsch telefonieren. Sätze wie „Was guckst - Bin isch Kino, oder was?!" oder „Alder, isch geh Schule, wie isch Bock hab, weisstu!“ sind zwar auch nicht einfach zu verstehen, aber immer noch besser als Sätze mit unendlich vielen Üs und Ös.

Sie halten das alles für Unsinn? Dann glauben Sie auch, dass die Dirndl tragende Türkin im Fernsehen echt ist. In Wirklichkeit ist sie es natürlich nicht. Vielmehr musste für Agent „Adolf“ aus dem NSU-Umfeld ein neuer unauffälliger Arbeitsplatz gefunden werden, wo er sein deutsches Wesen ausleben kann.

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