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Mediengrummel : Nein, Ihr Quakös!

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Das Dorf mit dem längsten Namen hätte Gründe, über eine Abkürzung nachzudenken. Tut es aber nicht. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand findet das sympathisch.

Bei zweikommanochwas Promille kann der Vollblut-Patriot gerade noch die schwarzrotgoldene Fahne für eine Multikultifußballtruppe schwenken. "Deutschland!" in die Fernsehkamera brüllen, das geht dann nicht mehr. Aber "Schland!" versteht inzwischen auch jeder. Ob man daraus ableiten kann, dass vor über 20 Jahren die Kommunalpolitiker von Hannoversch Münden in einer ähnlich existenziellen Grenzsituation wie die Schland-Schreier waren? Jedenfalls beschlossen sie, ihre Stadt fortan HannMünden zu nennen, was heute prompt jeder Rundfunkansager so nachschwatzt. Als litten wir alle unter versoffenen Schrumpfgehirnen.
Da sind die Menschen im schleswig-holsteinischen Hellschen-Heringsand-Unterschaar aus anderem Holz geschnitzt. Mit 32 Buchstaben soll ihr Flecken den längsten Ortsnamen Deutschlands tragen. Aber die rund 180 Einwohner denken nicht daran, ihn zu verstümmeln. Im Gegenteil. Überschwänglich, wie die Dithmarscher nun mal sind, werben sie im Internet: "Wir haben den längsten...".
So namenstreu sind manche Journalisten längst nicht mehr. Wenn Motorradfahrer rudelweise zum Gottesdienst knattern, nennen sie das fromme Event MoGo. Ähnlich klasse finden sie Sofi, was für Sonnenfinsternis steht. Jetzt warten wir auf die nächste Mofi und ahnen, dass damit nicht die Moordieker Filzbasteltage gemeint sind. Sich selbst total supertoll findende Rundfunk-Moderatoren reden vom Perso, weil ihre grauen Kleinstzellen das Wort Personalausweis längst nicht mehr speichern können. Ob ich meinen Reipa verlängert und den grauen Füschei schon umgeschrieben habe, werden mich die Quasselköpfe wohl als nächstes fragen. Nein, hab ich nicht, Ihr Quakös!

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erstellt am 03.Jun.2012 | 04:25 Uhr

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