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Mediengrummel

17. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Mediengrummel : Nasen-Blatt

vom

Es gibt Zeitungen, die tun alles für ihre Leser. Aber ihr Engagement wird ihnen nicht in jedem Fall auch gedankt, hat unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand gelesen.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2012 | 05:59 Uhr

Die "Bild"-Zeitung tut alles dafür, von den Deutschen geliebt zu werden. Sie kämpft für sie, entlastet ihre Speckhüften mit der "Bild"-Diät und sucht für sie den Bundespräsidenten aus. Deshalb wird sie auch von vielen Promis geliebt. Atze Schröder etwa verkündet in einem Werbespot für die Zeitung: BILD hat genau wie ich die Nase am Arsch des Volkes. Alice Schwarzer wirbt für das Nasen-Blatt: Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht. Rapper Sido ist von anderen Merkmalen der "Bild" beeindruckt: Danke für die Tittn.
Mutig steckte "Bild" seine Nase neulich sogar in die Schweizer Politik und zeigte deren Justizministerin wegen versuchter Freiheitsberaubung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung an. Für "die Glaubwürdigkeit Deutschlands", sagt die Chefredaktion und überlegt sich vermutlich, wann sie den Schweizer Botschafter einbestellen soll. Einen weiteren nationalen Liebesdienst erweist uns die Zeitung am 1. Mai: Erstmals in der Mediengeschichte erscheint eine "Bild am Feiertag". Der Arbeiter-Gedenktag muss also dieses Jahr nicht allein von den Kreuzberger Kiez-Hooligans, ein paar verkaterten Walpurgis-Hexen und dem DGB gestaltet werden.
Und nun das: Das Forschungsinstitut Emnid wollte wissen, welchen Zeitungen und Zeitschriften die Deutschen am meisten vertrauen. Bei den überregionalen Zeitungen führt die FAZ mit einem Vertrauensbeweis von 71 Prozent. Abgeschlagen auf dem vorletzten Platz liegt "Bild". Lediglich 30 von hundert Befragten vertrauen dem Blatt. Noch schlechter dran ist nur die "Bunte". Die höchste Glaubwürdigkeit - 81 Prozent - haben die regionalen Tageszeitungen. Bestimmt nicht ihrer Nasen wegen.

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