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Mediengrummel : Merkwürdige Geschöpfe

vom

Seltsame Gestalten bevölkern das Internet. Kolumnist Gerhard Hildenbrand wird gedrängt, darüber zu schreiben. Er weigert sich: "Nicht zu Silvester!"

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2009 | 07:01 Uhr

Schreiben Sie zum Jahresende doch mal was Ernsthaftes“, fordert mich Herr Lindbergh auf. Seit er seinen Kiosk in "Medienhaus" umbenannt hat, beschäftigt sich mein Zeitungshändler besonders intensiv mit den Medien. Bei seinen Streifzügen durchs Internet sei er auf ein Phänomen gestoßen, das zum Schluss des Darwin-Jahres einer Sensation gleich käme, raunt mit Herr Lindbergh zu: "Wir unterschätzen bis heute, wie das Internet die Menschen verändert. Auch äußerlich!" Das sei doch ein angemessen nachdenkliches Thema zum Jahresausklang.
"Ich weiß nicht, Randehard, Sie übertreiben", wende ich ein. Ich darf ihn mit Vornamen siezen, weil wir beide mit Medien zu tun haben. "Von wegen", sagt er, "andauernd stoße ich im Internet auf merkwürdige Geschöpfe, solche Pfeilnasen." Er schob mir einige Kopien über den Ladentisch. Nein, das sei nicht zum Lachen, erbost sich Lindbergh. Die Gestalten sähen nicht nur bedauernswert aus, sie legten auch ein eigenartiges Verhalten an den Tag: "Wissen Sie, was die machen, wenn ich ihnen mit dem Mauszeiger auf ihre Pfeilnase drücke? Na? Die fangen an zu zappeln und zu sabbeln. Manchmal richtigen Unsinn!" "Na ja", sage ich, "irgendwie kommen mir die Nasen aber bekannt vor."
"Also, was ist? Schreiben Sie über meine Entdeckung?", will Lindbergh wissen. "Eher nicht", sage ich, "Ich glaube, die Menschen wollen zu Silvester lieber was Lustiges lesen." Beim Rausgehen höre ich Lindbergh noch so was grummeln wie "Ignorante Pressefuzzis!", was mich dann doch nachdenklich stimmt. Trotzdem guten Rutsch!

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