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Mediengrummel

20. August 2017 | 12:07 Uhr

Mediengrummel : Loch gefüllt

vom

Nicht mit jedem Thema lässt sich dieser Tage das mediale Sommerloch füllen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat sich trotz Urlaubszeit seine Gedanken gemacht.

"Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut", schrieb einst Kurt Tucholsky. Journalisten finden das auch. Dürfen sie doch im Sommerloch endlich mal Geschichten verbreiten, die zu anderen Jahreszeiten im Papierkorb landen. Über Begegnungen mit Riesen-Würge-Schlangen oder Politikern an ihren Urlaubsorten zum Beispiel.
"Ein Loch ist da, wo nichts ist" - könnte als Losung der Chefredaktion an irgendeiner Redaktions-Pinnwand stehen, stammt aber ebenfalls von Tucholsky, niedergeschrieben in seiner "Soziologischen Psychologie der Löcher". Darin beschäftigte er sich mit so kniffeligen Fragen wie "Wo schon ein Loch ist: kann da noch ein andres sein?". Die Antwort darauf blieb uns der alte Tucho schuldig, erst der Journalismus von heute macht uns auch in diesem Punkt schlauer. Denn er schafft es manchmal sogar, ein Loch mit einem anderen zu füllen. Das Sommerloch mit dem Ozonloch beispielsweise, jedenfalls gelang das mal vor Jahren. Aber so etwas klappt nicht immer.
Einige Journalisten wollen in diesem Sommer, dass wir Deutsche uns über ein Bohrloch im fernen Golf von Mexiko aufregen, sind dabei aber ähnlich erfolglos wie die Umwelthalunken von BP bei ihrem Versuch, das Loch zu schließen. Auch das riesige Haushaltsloch der Regierung in Berlin ist nicht von der Materie, die für uns Medienkonsumenten ein sommerliches Kommunikationsloch füllen kann. Die Sicherheitslöcher bei Microsoft schaffen’s schon gar nicht. Die UN meldet ein Finanzloch von 9,5 Milliarden Dollar. So viel fehlt für die Unterstützung von 53 Millionen Menschen, die durch Kriege, Naturkatastrophen, Dürren und Armut ums Überleben kämpfen. Stopft auch kein Sommerloch. Eher schon das Auf und Ab im Liebesleben des Lothar Matthäus.
Warum mir in diesen Tagen nichts Besseres einfällt? Frei nach Tucholsky: Verzeihen Sie diesen Mediengrummel, ich hatte auf dieser Seite nur ein Loch ausfüllen wollen.

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von
erstellt am 03.Aug.2010 | 05:52 Uhr

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