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Mediengrummel

22. Oktober 2017 | 07:14 Uhr

Mediengrummel : Leise Zukunft

vom

Der Trend geht zu leiseren Tönen. Jedenfalls in den Medien. Was das bedeuten könnte, darüber hat sich unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand so seine Gedanken gemacht.

shz.de von
erstellt am 05.Mär.2012 | 03:17 Uhr

Frei nach Wilhelm Busch gilt: Die Welt wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. Lärm nervt. Nicht nur die Anwohner von Flughäfen. Doch während in Berlin und Frankfurt neue Flugschneisen und kürzere Nachtruhe durchgeboxt werden, zeigen wenigstens die Fernsehmacher Entgegenkommen. Von Ende August an wollen sie mit einem einheitlichen Geräuschpegel senden. Vorbei sind dann die Zeiten, in denen das Nickerchen vor dem Bildschirm jäh unterbrochen wurde, weil Werbesendungen plötzlich mit erhöhter Lautstärke auch noch dem Schwerhörigsten mitteilen wollten, dass Geiz geil ist.
Die Zukunft gehört den Leisen. In Hollywood, wo die Trends im Mediengeschäft gesetzt werden, produziert man statt Action-Krachern wieder Stummfilme. Sogar in Schwarz-Weiß, damit die Kinobesucher ihr Popcorn-Picknick endlich ohne Ablenkung von der Leinwand genießen können. Der Trend könnte demnächst auch im deutschen Fernsehen ankommen. Vielleicht schon im neuen "Tatort" mit Till Schweiger. Er böte sich als stummer Kommissar an, weil sein Genuschel sowieso nur Nachfragen auf dem Fernsehsofa auslöst.
Man stelle sich vor, selbst die Talkshows senden in Zukunft schwarz-weiß und stumm. Keine bonbonbunte Krawatte lenkt vom Thema ab und auch kein gefärbter Haarschopf. Vorbei das lärmige Durcheinanderbalzen, weil die Moderatoren nichts im Griff haben. Allein verkrampfte Gesichtsmuskel, fahrige Armbewegungen und zuckende Augenbrauen lassen erkennen, was die Teilnehmer uns mitteilen wollen. Und am Schluss wird das Publikum womöglich zufrieden sagen: Heute hat uns die Sendung richtig Spaß gemacht. Und verstanden haben wir auch alles.

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