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Mediengrummel : Leichte Sprache, schwere Sprache

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Deutsche Sprache, schwere Sprache. Für Millionen Menschen mit Leseschwierigkeiten allemal. Auch unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand ist an Grenzen gestoßen.

Ein Satz mit 55 Wörtern oder 330 Buchstaben ist ziemlich schwer zu verstehen. Er steht ausgerechnet auf der Internetseite eines Parteiarbeitskreises, der sich löblicherweise für die so genannte Leichte Sprache einsetzt. Immerhin sind vom Inhalt des Bandwurmsatzes mehr Menschen betroffen, als diese Partei Wähler hat. Über 13 Millionen Deutsche, so ist da zu lesen, haben große Leseschwierigkeiten und damit Probleme, sich in Beruf und Gesellschaft zurechtzufinden. Deshalb wollen die Verfasser wissen, ob und wie die Bundesregierung vorhat, die "Einfache Sprache" zu fördern.
Zumindest betreiben Bundestag und Bundesregierung inzwischen einige Internetseiten, auf denen sie in Leichter Sprache über sich und ihre Arbeit informieren. Dort wird unter anderem verständlich erklärt, was ein "Bundes-Haushalt" ist und wie ein Gesetz gemacht wird. Doch Leichte Sprache, schwere Sprache: Die 67 Buchstaben der Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung hat noch niemand in Leichte Sprache aufdröseln können.
Zahlreiche Beratungsstellen und Verbände bieten seit einiger Zeit ebenfalls Informationen in vereinfachter Sprache an. Der SV Werder Bremen hat mit der örtlichen Lebenshilfe sogar eine Broschüre mit den wichtigsten Fußball-Regeln in Leichter Sprache herausgebracht. "Die Regeln sind schwer zu lesen. Fast so wie Gesetze", heißt es in dem Heft. Das weiß nicht nur der Fußballfreund mit Leseschwächen, sondern auch mancher Sportreporter. Die Abseits-Regel zum Beispiel. Die geht fast so schwer in den Kopf wie das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. In Leichter Beamtensprache heißt das übrigens RflEttÜAÜG.

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erstellt am 02.Dez.2012 | 04:05 Uhr

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