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Mediengrummel : Leere Versprechen

vom

Mit alten Zeitungen ist es wie mit Wahlversprechen: Irgendwann muss man sich ihrer entledigen. Gerhard Hildenbrand ist jüngst beim Aufräumen etwas aufgefallen.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2010 | 06:00 Uhr

Mit alten Zeitungen ist es wie mit Wahlversprechen: Irgendwann muss man sich ihrer entledigen. Was die Zeitungen angeht, mit einem letzten Blick auf das, was vordem als Grund fürs Aufbewahren herhalten musste. Dieser Tage war der Papierstapel ganz unten im Regal dran. Weg, weg, weg Stopp! Schau an, in einer Zeitung vom 17. August 2005 ein paar rot markierte Zeilen über den CDU-Internetauftritt www.leere-versprechen.de. Einen Monat später war Bundestagswahl, der politische Gegner sollte im Internetwahlkampf des Wortbruchs überführt und schließlich besiegt werden. Was letzten Endes ja gelang. Die damaligen Chefs der Verlierer fanden anschließend Verwendung in der Gas- und Ölbranche. Aber was ist aus der Internetadresse geworden, einen Wahlkampf und viele neue Versprechen später?
Wer im Jahr 2010 im Internet Leere minus Versprechen.de aufruft, gerät in ein skurriles Anzeigen-Kunterbunt. Offenbar lassen sich Internet-Adressen nicht so leicht ausmustern wie alte Zeitungen und Wahlversprechen. Was soll sich der mündige Wahlbürger denn denken, wenn er unter der einst kämpferischen CDU-Internetadresse heute nichts mehr von dreisten Wahllügen erfährt, sondern mit Reklame für "Die coolsten Humor-Videos" und einen "Kredit ab 3,45% in 3 Sek." konfrontiert wird? Warum, fragt sich der politisch Interessierte, soll er statt eines CDU-Wahlprogrammes nun "Günstige Zahnimplantate" bestellen oder ein Seminar für "Clownerie und Pantomime" buchen? Sind das Friedensangebote an bissige Wähler und solche, denen das Lachen vergangen ist? Gut, ein paar eindeutige politische Perspektiven werden auf leere-versprechen.de immer noch eröffnet: "Angela Merkel - Zufrieden mit ihrer Arbeit? Geld verdienen mit Online-Umfragen". Wer damit zu Wohlstand gekommen ist, aber nicht Ackermann heißt, kann immerhin ein "Merkel-Double" ordern, zum Beispiel für seine Geburtstagsfeier. Für arme Schlucker gibt’s auch was: "Zitronenpresse ‚Angela’. Da wird Frau Merkel sauer. Die Bundeskanzlerin als Saftpresse". Klingt zumindest nicht nach leerem Versprechen.

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