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Mediengrummel : Lang lebe der Leser!

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Beim Zeitungssterben sollen wenigstens die letzten Leser noch gesund bleiben. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand schreibt über ein neues Modell der Leserbetreuung.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2013 | 06:48 Uhr

Wenn Zeitungen sterben, liegt das nicht unbedingt daran, dass ihnen die Leser wegsterben. Aber ganz sicher scheint sich das Burda-Magazin "Focus" in diesem Punkt nicht zu sein. Immerhin hat es in den vergangenen fünf Jahren über 20 Prozent bei der verkauften Auflage verloren, meldete das Internet-Portal "meedia". Pro Ausgabe bedeute das 630.000 Leser weniger als im Jahre 2007. Kein Wunder, dass "Focus" auf die Langlebigkeit der verbliebenen Leserschaft größten Wert legen muss.

Also hat man im Burda-Verlag nachgedacht und ein neues "Erlösfeld" erschlossen. Motto: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie Ihren "Focus" und gehen dann sofort zu Ihrem Apotheker. Der hat nämlich seit kurzem sieben "Focus"-Selbst-Tests im Angebot, mit denen der Burda-Verlag seine "Angebote konsequent in die Lebenswelten seiner Leser und User verlängert". Ob Darmkrebs, Blasenentzündung, Diabetes oder Grippe, für ca. 19 Euro pro "Focus"-Test kann sich jeder selbst untersuchen. Mit dem Risiko, dass er sich grundlos in Unruhe versetzt oder in falscher Sicherheit wiegt, warnt die Ärztekammer Schleswig-Holstein. Den Selbst-Test für Darmkrebs hält ihr Präsident sogar für gefährlich.

Man darf gespannt sein, wie nun der "Spiegel" kontert. Lässt er die Konkurrenz profitabel am Leser rumwerkeln, ohne sich zu wehren? Oder holt er zum lukrativen Gegenschlag aus? Vielleicht mit einer monatlichen Schnittmuster-Beilage, nach der "Spiegel"-Heimwerker ihre Hüften, den Grauen Star oder ihre Alterswarzen selbst operieren können? Werkzeug dazu gibts im Partner-Baumarkt? Immerhin besteht die "Spiegel"-Leserschaft zu fast 70 Prozent aus Männern.

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