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Mediengrummel

22. Oktober 2017 | 14:20 Uhr

Mediengrummel : Kulturbanausen

vom

Täglich können wir hören und lesen, wo es uns an Kultur fehlt. Unseren Kolumnisten Gerhard Hildenbrand hat das zu einer bedenklichen Bestandsaufnahme veranlasst.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2013 | 02:37 Uhr

Deutschland eine große Kultur-Nation? Der tägliche Blick in die Medien macht klar, dass wir eher Kulturbanausen sind. Unablässig tönt es von Kanzeln, Rednerpulten und Talk-Show-Sesseln, wo es uns an Kultur mangelt. Wir brauchen eine Erinnerungskultur, eine Offenheitskultur, eine neue Denkkultur, eine Kultur des Dankens, des Glücks, der Beteiligung, der Aufmerksamkeit oder des Respektes - alles irgendwo nachzulesen. Es genügt längst nicht mehr, vorurteilsfrei zu sein. Heute kommen wir ohne "eine gelebte Kultur des Willkommens" und eine Kultur der Toleranz und des Dialogs nicht aus.
Es gibt Zeitgenossen, die haben keine Kultur des Hinschauens. Die gucken offensichtlich nicht, die helfen einfach, wenn jemand in Schwierigkeiten ist. In Kiel sind bei der Kommunalwahl fast zwei Drittel der Wahlberechtigten zu Hause geblieben. Denen fehlt es an "Anerkennungskultur", stellte ein beleidigter Politiker fest. Ein anderer, einer der Kanzler werden möchte, meint, die Deutschen wollten partout keine Risiken tragen. "Uns fehlt eine Kultur des Scheiterns", bedauert er. Zum Heulen!
Angemahnt wird über die Medien ein Kultur des Wiederverwendens, der zweiten Chance, des Alterns, des Siezens, eine Rating-Kultur, eine stärkere Vorwurfskultur, eine Lobkultur, eine neue Energiekultur, eine Erlaubniskultur, eine Insolvenzkultur, sogar eine neue Hungerkultur wird verlangt. Soldaten brauchen eine neue Frontkultur, in Berlin hapert es obendrein an einer "Hoş-geldiniz-Kultur für zugereiste schwäbische Familienväter!". Nur um eines müssen wir uns keine Sorgen machen: Mit der geschriebenen und gesprochenen Dummdeutsch-Kultur klappts auf ganzer Linie.

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