Mediengrummel : Kein Aprilscherz!

Manche Zeitungsnachrichten sind einfach nicht zu glauben. Dann wenden Journalisten einen besonderen sprachlichen Trick an, verrät unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

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31. März 2014, 06:30 Uhr

Im Großen und Ganzen darf man seiner Tageszeitung glauben, was sie einem zum Frühstück auftischt. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, dass ein Bischof zur Rekreation seines Gemüts für 213.000 Euro ein zwei Meter tiefes Koi-Aquarium anfertigen lässt, die Information ist richtig. Dass die Kanzlerin einem Steuerkriminellen hohen Respekt zollt, weil er seine Gefängnisstrafe antritt, als täte er das freiwillig, trifft auch zu. Niemand zweifelt das an, keinen wundert das mehr.

Es gibt allerdings Nachrichten, die klingen für Leser ganz und gar unwahrscheinlich. Dann greifen Medien gerne zu einem Trick, der einem journalistischen Ehrenwort gleich kommt, dass die Meldung tatsächlich zutrifft. So wie hier: „Kein Aprilscherz: Ab 1. April kostet die Toilettenbenutzung 20 Cent mehr“. Eigentlich nicht zu fassen, aber der kleine sprachliche Kniff „Kein Aprilscherz“ überzeugt den letzten zweifelnden Leser. Auch in Morsum passiert Unglaubliches. Dort eröffnet ein neuer Lebensmittelmarkt und zu lesen ist: „Ein paar Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden und dann kann es am Dienstag losgehen und das ist kein Aprilscherz.“ Der Meldung kann man also trauen.

Der Wahrheitsgehalt anderer Mitteilungen ist für Leser nicht so leicht zu erkennen. Wenn morgen irgendwo steht, dass der ADAC seine „Gelben Engel“ an den Vatikan verkauft hat und sich nun auf die „Freie Fahrt für Treppenlifte“ konzentriert, sollte man vorsichtig sein. Jedenfalls solange die Meldung nicht mit dem Hinweis „Kein Aprilscherz“ beginnt. Wenn die Nachricht allerdings übermorgen erscheint mit dem Hinweis „Verspäteter Aprilscherz“, dann ist doch was dran.

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