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Mediengrummel : Kampf in der Todeszone

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Die ARD strengt sich mächtig an, möglichst viele Zuschauer für ihr Vorabendprogramm zu begeistern. Eine Momentaufnahme unseres Kolumnisten Gerhard Hildenbrand.

Zwischen 17 und 20 Uhr wollen ARD und ZDF Geld verdienen. Täglich außer sonntags. In einer Broschüre für Werbekunden der beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten stehen deshalb Sätze wie "Wer ohne Werbung lebt, kennt keinen Wohlstand" oder "Worum es am Ende geht, ist nicht Gold. Sondern Geld." Dieses Jahr sollen mit der Fernsehreklame bei ARD und ZDF netto fast 300 Millionen Euro umgesetzt werden. Die Vorabendzeit wird den Werbekunden besonders schmackhaft gemacht, weil die Aufnahmebereitschaft des Publikums größer sei als nach 20 Uhr, heißt es in der Broschüre. Dann nämlich "lassen die meisten TV-Zuschauer den alltäglichen Arbeitsstress hinter sich."
Je mehr Zuschauer, desto höher die Werbepreise. Also wird seit Jahren alles versucht, Alt und vor allem kaufwilliges Jung zum vorabendlichen Fernsehen zu animieren. Mit Schmonzetten, Spielen und Mordgeschichten, jetzt auch noch mit Gottschalk. Dessen Einschaltquote ist allerdings so miserabel, dass die Werbepreise bei "Gottschalk live" um rund 30 Prozent gesenkt werden mussten. "Todeszone" nennt der auf jung Geföhnte den Platz, den er zwischen den profitablen "Werbe-Inseln" mit ein bisschen Geplauder ausfüllen soll. Jetzt muss wieder mal was passieren, aber was?
Der ARD-Vorabendkoordinator Frank Beckmann stöhnt: "Die Sehgewohnheiten im Vorabend sind über viele, viele Jahre geprägt. Sie auch nur leicht zu verändern ist ein erheblicher Kraftaufwand." Tja, wie hindert man Leute daran, dass sie nach Feierabend aufs Fernsehen pfeifen und sich lieber um ihre Familie kümmern, zu ihrem Sportverein gehen oder einfach mit ihren Freunden ein Bierchen trinken? Es gibt noch viel zu tun für die Fernsehsender.

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erstellt am 19.Mär.2012 | 05:17 Uhr

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