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Mediengrummel

18. Oktober 2017 | 17:49 Uhr

Mediengrummel : Jobs serienweise

vom

Es gibt Leute, die machen ihre Berufsplanung am Fernseher. Was bei den meisten aber schief geht, könnte anderen durchaus Chancen eröffnen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2011 | 09:11 Uhr

Vier Fernsehserien haben Wissenschaftler der Uni Münster untersucht und dabei herausgefunden, dass die Welt der Drehbuchschreiber mit unserer Berufswelt wenig zu tun hat. Die jungen Mimen der nachfolgend erwähnten TV-Serien tummeln sich hauptsächlich in der Medien- und Modebranche oder in der Gastronomie. Fatal ist, dass sich dieses Bild von der Berufswelt auf die Berufswünsche Jugendlicher auswirkt, wie die Untersuchung ergab. Und wenns dann mit dem Job à la Serienheld nicht klappt, bleiben vermutlich immer noch der Traum von einer Lehre bei Bohlen oder einem Praktikum im Big-Brother-Container. Jedenfalls hat von diesem Fernsehnachwuchs keiner mehr Bock auf Zupfinstrumentenmacher oder Zweiradmechaniker. Da auch Hörgeräteakustiker bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" eher selten eine Rolle spielen, könnte dieses Handwerk ebenfalls bald untergehen.
Was jedem einleuchtet, muss noch lange keinen Erkenntnisschub bei der katholischen Kirche auslösen. Ihr gehen zwar die Priester aus, die Antworten darauf sind aber spärlich und einfallslos. Mancherorts sollen einfach Kirchengemeinden zusammen gelegt werden. Andere, wie jüngst katholische CDU-Politiker, wollen zur Attraktivitätssteigerung des Berufes lieber Priester mit Frauen zusammenlegen. Dabei kann die Lehre aus der Münsteraner Untersuchung doch nur heißen: Mehr Pfarrer in die Fernsehserien! So können Gottesmänner demnächst "Dr. House" die Beichte abnehmen oder in "CSI Miami" eine Bande von Pädophilen jagen. Vielleicht hilft es schon, wenn ein Diener der Kirche in ein paar Filmszenen "rein zufällig" einfach nur so rumsteht. "Product Placement" oder "Integrative Markenplatzierung" nennen das die Profis. Der Werbetrick ist nicht ganz billig, klappt aber bei Getränken und Pharma-Produkten schon bestens. Gar nicht auszudenken, wie der Priesternachwuchs serienweise strömt, wenn ab und zu bei den "Desperate Housewives" ex abrupto der Papst auftaucht...

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