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Mediengrummel

14. Dezember 2017 | 04:12 Uhr

Mediengrummel : Jimmy und die FDP

vom

Immer mal wieder machen sich die Parteien Sorgen um ihr Fernsehen. Diesmal ist es die FDP. Sie hat sich mit Jimmy aus der ARD angelegt. Unser Grummler Gerhard Hildenbrand sorgt sich mit.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2010 | 03:49 Uhr

"Die Trennung von Staat und Medien ist ein Gebot unserer gewachsenen demokratischen Kultur." Gut gebrüllt! - vom "Medienexperten" der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen. Der Satz war der ZDF-Filzokratie gewidmet, als die gerade einen Chefredakteur abserviert hatte. Das ist gut zwei Monate her. Jetzt macht sich Herr Müller-Sönksen wieder Sorgen, diesmal um die ARD. In der Serie "Lindenstraße" hat Akteur Jimmy gemeckert: "Die Politik hilft uns auch nicht. Unsere Super-FDP: Die steckts den Hoteliers und den Ärzten hinten und vorne rein. Aber wir vom Handwerk, wir sind die Dummen. Wahrscheinlich, weil wir nicht gespendet haben." Der FDP-Medienexperte findet, dass derlei nicht in eine Unterhaltungssendung gehört und fragt sich, "ob sich die ARD mit einer solchen einseitigen Parteinahme einen Gefallen tut". Über die Konsequenzen wolle er sich noch nicht äußern, heißt es in mehreren Meldungen. Noch nicht!?
Nun heißt der Programmdirektor, der für die ARD spricht, Volker und nicht Jimmy, und außerdem haben die Autoren nur Argumente in den Text geschrieben, "die ohnehin in der Debatte über die Steuererleichterungen geäußert worden sind", verteidigt sich der WDR. Schließlich sei die Serie seit fast 25 Jahren "dem Realismus verbunden" - was ich nur eingeschränkt glaube, seit ich Zeuge einer Kneipenrunde geworden bin. Die geriet bei den Stichwörtern "Westerwelle", "Brüderle" und "Mövenpick" in tischübergreifend vernehmbare Hochstimmung. Im Fernsehen hätte ihr verbaler Gedankenaustausch nur mit einer Salve von Pieptönen gesendet werden dürfen.
Ob die Sache mit Jimmy ausgestanden ist? Unterschätzen wir den Einfluss des Abgeordneten Müller-Sönksen nicht. Gut möglich, dass er - als Chance zur Wiedergutmachung - den ARD-Gremien bald sein Drehbuch für ein Münsteraner "Tatort"-Finale vorlegt: "Und, Börne? Todesursache?" - "Ach Thiel, zu wenig Netto vom Brutto". - "Überzogene Lohnforderungen?" - "Schauen Sie, von vorne bis hinten." - "Und woher die Würgemale, Börne?" - "Die Steuern, die Sozis, was weiß ich." - Thiel und Börne seufzend: "Tja, hätte er mal lieber FDP gewählt!" - Beide drehen sich vom Seziertisch weg, haken sich unter und schmettern: "Trink, trink, Brüderle trink, lass doch die Sorgen zu Haus". - Dank an die Sponsoren. Abspann.

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