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Mediengrummel : "i" mit großer Wirkung

vom

Das iPad ist geboren. Was uns der Siegeszug im Zeichen des Apfels sagt, darüber hat Kolumnist Gerhard Hildenbrand nachgedacht.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2010 | 06:58 Uhr

iPod, iPhone, iTunes - man muss offenbar nur eine kleines "i" vor ein großes Irgendwas stellen, schon ist der modische Mensch aus dem Häuschen. Einer sogar aus dem Gotteshäuschen. "Also, was wir da gestern Abend erlebt haben, war ein Gottesdienst Eine ganze Welt, muss man wirklich sagen, hat diesem Abend entgegengefiebert", schwärmte der FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher im Deutschlandfunk nach der Enthüllung des neuen iPads der Firma Apple. Allen Ungläubigen und Zweiflern, die dem Apple-Gott nicht dienen wollen, schreibt er ins Stammbuch: "In der Tat war die technologische Innovation doch eher begrenzt. Aber das spielt gar keine Rolle. Entscheidend ist die Erwartung". Womit seine Sprachbild-Anleihe aus der religiösen Welt ungewollt schlüssig wird.
Irdisch gesehen war die Anbetung des iPads der Höhepunkt eines gigantischen Reklamefeldzuges von Apple. Die Strategie des Konzerns ist einmal mehr aufgegangen und wurde mit globalem Aufsehen belohnt. "Hype" heißt das in der internationalen Werber- und Mediensprache und bedeutet in diesem Fall, dass Abermillionen einem kleinen, 700 Gramm leichten "i" hinterherlaufen und es schließlich besitzen, also kaufen wollen.
Der Medienrummel sollte allen Werbetreibenden endgültig klar machen: Von Apple lernen heißt Siegen lernen! Kleines "i" schafft große Wirkung. Wer das beherzigt, kann eigentlich nichts mehr falsch machen und lenkt garantiert riesige Aufmerksamkeit auf sich. Darum ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste Mittel gegen "iSchias" auf den Markt kommt oder Image-Kampagnen für den "iSlam" und den "iRan" gestartet werden. Der heiratswilligen iLona und dem seit Jahren vergeblich werbenden iSidor könnte die neuen Schreibweise in Heiratsanzeigen neue Interessenten bescheren. Selbst iTzehoe könnte mit dem kleinen "i" aus seinem unterschätztes Dasein herauskommen. Sie fänden das ziemlich iDiotisch? Ich auch. Aber Herr Schirrmacher würde vermutlich wieder sagen: "Hier ist eine neue Zäsur entstanden".

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