Mediengrummel : Hirntest

Journalisten müssen aufpassen, dass sie keiner Falschmeldung aufsitzen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat eine gefunden, bei der er sich nicht sicher war.

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03. Oktober 2011, 02:48 Uhr

Nein, das glaub ich einfach nicht. Tagesspiegel und Süddeutsche Zeitung gelten ja gemeinhin als zuverlässige Informationsquellen. Doch diese Nachricht von Mitte September, die kann einfach nicht stimmen. Sonst wäre sie ja von "Brisant", dem "Heute-Journal" und anderen bunten Sendungen nicht bis jetzt ignoriert worden. Auch wenn die Papst-Tournee wochenlang die volle Hingabe aller Medienleute gefordert hat, für die Verbreitung dieser Sensation hätte wohl jede Redaktion noch ein Plätzchen gefunden. Notfalls unter "Vermischtes", zwischen all dem Gegacker der sich freienden, fortpflanzenden und wieder auseinanderlaufenden Schickimicki-Bagage.
Andererseits: Niemand hat die Meldung der Kollegen in Berlin und München dementiert. Niemand hat ihnen vorgeworfen, sie seien auf einen grandiosen Schwindel hereingefallen. Keine Talkshowrunde hat sich über unseriösen Journalismus erregt. Also könnte doch was dran sein an der Nachricht, dass die Bild-Zeitung sich für die Hirne ihrer Leser interessiert. Hauen Sie sich jetzt nicht auf die Schenkel, verkneifen Sie sich jeden Kalauer – "Bild" will tatsächlich wissen, was den Lesern "so durchs Hirn schießt" (Tagesspiegel), wenn Sie das Blatt studieren. Hören Sie bitte auf zu lachen! 100 Euro bekommt derjenige "Bild"-Leser, der sich von einem emeritierten Hirnforscher in einen fMRT-Scanner schieben lässt. Gesund muss er sein, zwischen 20 und 50 Jahre alt, keine Metallteile im Körper haben. Aber natürlich ein Hirn. Ob die Macher der "Bild" auch in die Röhre geschoben werden, wollen Sie jetzt gern wissen? Davon haben die beiden Zeitungen nichts geschrieben.

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