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Mediengrummel : Gut durch die Nacht

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Der Neue bei den "Tagesthemen" hat endlich seine Abschlussfloskel gefunden. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand fragt sich, wem der Gute-Nacht-Gruß eigentlich gilt.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2013 | 05:13 Uhr

Gut, die Bundestagswahl steht noch aus, aber ein nicht minder wichtiges Ereignis ist abgehakt. Dass Thomas Roth die "Tagesthemen" moderiert, das war schon eine Weile bekannt. Und dass er nuschelt und die Farbe seiner Haare mit dem blendenden Weiß seiner Zähne konkurriert, auch das wurde in den Medien beizeiten erörtert. Aber mit welchem Gute-Nacht-Gruß wird er seine Zuschauer ins Bett schicken? Darüber rätselte zwar nicht gerade die ganze Republik, aber die Medienwelt wartete mit Spannung auf die Entscheidung.
Es hätte ja passieren können, dass der Nachrichten-Mann seinen Vortrag wie folgt beendet: "Ich werf jetzt den Anker, kommen Sie gut in die Koje!" Das hätte zu einem "Anchor Man" gepasst. Dem Altersdurchschnitt der Zuschauer entsprechend war allerdings eher folgende Abschlussfloskel denkbar: "Legen Sie Ihre Zahnprothese ins Glas und vergessen Sie nicht, Sie morgen wieder einzusetzen. Gute Nacht, und hoffentlich müssen Sie nicht so oft raus!" Als weitere Aufmunterung konnte man sich vorstellen: "Angenehme Schlummerzeit und trinken Sie noch ein, zwei Absacker auf mich!". Oder als Anbiederung an die Jugend: "Der folgende Film ist für Jugendliche unter 16 nicht geeignet. Es sei denn, Eure Alten liegen schon in der Miefkiste. Dann viel Spaß! Euer Thomas."
Es kam ganz anders. Roth wird seine Ansagen mit einem "Kommen Sie gut durch die Nacht!" beenden. Da fragt man sich nun, ob denn vor allem Taxi-Fahrer, Nachtschwärmer im Rotlichtviertel und Schlafwandler die "Tagesthemen" gucken. Vielleicht denkt der Neue aber einfach nur an die nächtlichen Fahrgäste, deren Züge an unbesetzten Stellwerken vorbeirauschen.

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