Mediengrummel : Gurke oder Torte?

Sollen die Frauen sauer sein, dass die sechs ZDF-Mainzelmännchen auch in Zukunft unter sich bleiben? Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand findet das nicht.

shz.de von
23. Juli 2012, 01:59 Uhr

Es gibt Auszeichnungen im Mediengeschäft, die will man wirklich nicht haben. Die "Saure Gurke" zum Beispiel. Sie bringt höchstens den zweifelhaften Ruhm, eine besonders frauenfeindliche Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen produziert zu haben. Den Titel vergeben seit über 30 Jahren eine Runde von Medienfrauen bei ARD, ZDF und ORF. Da wird dann in einer Laudatio für "Wetten dass...?" schon mal ein spöttisches Lob spendiert: "Wer hätte gedacht, dass sich Frauen auch an ihren blau besprühten Hinterteilen erkennen lassen!". Eine vergurkte ARD-"Geburtstagsshow" mit Reinhold Beckmann erhielt die Bewertung "langgezogener Herrenwitz"; und 2005 wurde gar der gesamte NDR für " rasanten Abbau an Qualitätsstandards und unerwarteten Rückgriffe auf chauvinistische Klischees" gewürdigt.
Die Suche nach würdigen Gurken-Preisträgern und -trägerinnen wird wohl auch in diesem Jahr von Erfolg gekrönt sein. Oder es kommt diesmal doch alles ganz anders. Das ZDF hat es nämlich harsch abgelehnt, seinen Mainzelmännchen weibliche Wesen an die Seite zu stellen. "Frauenquote brauchen wir keine", wird der ZDF-Vormund von Berti, Edi & Co zitiert. Also können die sechs dauergrinsenden kleinen Männchen, die in ihrer Sprachentwicklung irgendwo zwischen Papagei und Schimpanse stehen geblieben sind, ihre einfältigen Witzchen weiter unter sich machen. Dafür sollten die Medienfrauen den großen Mainzer Männern ausnahmsweise nicht gram sein. Statt ihnen den sauren Negativ-Preis zu verleihen, könnten sie sich bei den ZDF-Chefs für ihr frauenfreundliches Verhalten ruhig mal mit einer süßen Torte bedanken.

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