zur Navigation springen
Mediengrummel

17. Dezember 2017 | 09:24 Uhr

Mediengrummel : Goldener Marcel

vom

Die "Deutschen Fernsehpreise" sind übergeben. Wieder hat sich keiner verweigert. Vielleicht fehlt der Anreiz, fragt sich unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Der "Deutsche Fernsehpreis" ist eine nationale Angelegenheit. Damit treibt man keine Scherze, schon gar nicht vor circa 1300 neidischen Leistungsträgern deutscher Fernsehkultur, die ohne Trophäe nach Hause gehen mussten. Das hat Bildschirmunterhalter Ottfried Fischer bei der jüngsten Preisverleihung in Köln gewusst und mit einem kleinen Satz für großes Entsetzen im Saal gesorgt. "Ich nehme diesen Preis nicht an!", hat er gesagt. Wetten, dass in diesem Moment manch mühevoll getünchtes Gesicht tiefe Risse bekam? Fischer hat den Preis dann doch angenommen ("Eine Pointe!"), er hat noch Pläne im deutschen Fernsehen. Anders als Marcel Reich-Ranicki vor fünf Jahren, der putzte damals die von Thomas Gottschalk moderierte Gala als "Blödsinn" runter und nannte den ihm zugedachten Preis eine "Beleidigung". Der Abend unter den Wichtigkeiten des deutschen Film- und Fernsehgeschäftes muss den "Literaturpapst" schwer und nachhaltig verwirrt haben, wie sonst hätte er anschließend einer Sendung mit dem Gesichtsvermieter Gottschalk zustimmen können. Aber Päpste sind eben auch nur Menschen.

Ganz ohne Risiko sind Preisverleihungen nie. Der Deutsch-Barde Heino gab seinen Burda-Bambi zurück, weil damit auch Rapper Bushido geehrte wurde, den er für einen "gewalttätigen Kriminellen" hält. Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung lehnte den Henri-Nannen-Preis ab, weil er nicht zusammen mit zwei "Bild"-Redakteuren ausgezeichnet werden wollte. Vielleicht könnte das Schule machen, wenn es einen Preis für Preisverweigerer gäbe. Einen "Goldenen Marcel" zum Beispiel. Als praktischer Schlüsselanhänger, der in jede Hosentasche passt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen