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Mediengrummel

17. Oktober 2017 | 14:32 Uhr

Mediengrummel : Glauben und sehen

vom

Auch wer genau hinschaut, sollte nicht in jedem Fall glauben, was er sieht. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand warnt vor mehr Schein als Sein beim Fernsehen.

shz.de von
erstellt am 28.10.2013 | 05:45 Uhr

Glauben Sie bloß nicht immer, was Sie sehen! Schon gar nicht im Fernsehen. Nachrichtensprecher und Stimmungskanonen sind im wirklichen Leben längst nicht so falten- und pickelfrei, wie man sie uns zeigt. Schminke, Licht und Kameratechnik verhelfen zu mehr Schein als Sein. Glauben Sie auch nicht, dass der Klapprechner mit dem angebissenen Apfel oder die Karosse mit dem Stern wichtig sind für die Filmhandlung, die Sie gerade sehen. Die Markenzeichen sollen sich nur in Ihren Kopf einschleichen und den Filmproduzenten Geld einbringen. "Product Placement" heißt das heutzutage.

Immerhin werden bei dieser Art von Schleichwerbung die Gegenstände noch klassisch abgefilmt. Der Medienvermarkter für RTL bietet seinen Werbekunden nun an, ein Produkt nicht während der Dreharbeiten zu platzieren, sondern nachträglich in den fertigen Film digital einzufügen. Ob Plakatmotive im Hintergrund, Lkw-Aufschriften oder Prospekte auf dem Tisch – alles lässt sich jetzt hinterher eintricksen. Der Kunde kann entscheiden, in welcher Filmszene er sein Produkt am besten unterbringt. Der realistische Eindruck wird garantiert. Logisch, dass Drehbücher und Filme in Zukunft so gestrickt sind, dass wir alle paar Minuten allerlei nachträglich eingepasste und auswechselbare Reklame sehen können.

Glauben Sie also nicht unbedingt, was Sie sehen. Glauben sie dafür ruhig häufiger an das, was Sie nicht sehen. Etwa daran, dass Geheimdienste nach wie vor in Ihren E-Mails schnüffeln können. Aber daran, dass auf Sünder die Hölle wartet, müssen Sie nicht glauben. Das tut nicht einmal der Limburger Exil-Bischof. Der glaubt an das, was sich sehen lässt.

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