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Mediengrummel

11. Dezember 2017 | 11:10 Uhr

Mediengrummel : Gier gegen Hunger

vom

Echte Sportler sind angeblich gierig und hungrig. Jedenfalls wollen das manche Trainer so. Unseren Kolumnisten Gerhard Hildenbrand erinnert das an noch Schlimmeres.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2013 | 07:04 Uhr

Abgesehen von der künstlichen Ausbesserung seines gelichteten Haarschopfs gibt sich Fußballtrainer Jürgen Klopp vom Ballspielverein Borussia 09 Dortmund gerne authentisch. Die Journalisten mögen so einen. Unkompliziert, manchmal raubeinig, Sprüche, die sich für Überschriften eignen. Vermutlich war es Klopp, der die "Gier" mit der angeblich schönsten Nebensache der Welt erstmals kombiniert hat. So verkündete er schon vor zwei Jahren, dass seine Mannschaft "giftig, gierig und extrem bereit" auftreten werde. Wenn seine Kicker hoch gewinnen, ist das für ihn "ein Zeugnis, wie gierig wir alle sind". Inzwischen gehört Gier im Sport zum allgemeinen Metaphernschatz, nicht nur in der Boulevard-Presse.
Beim Konkurrenten der Dortmunder, dem FC Bayern München, spricht man zurzeit besser nicht von Gier. Die Fans würden womöglich an Steuerbetrug und unverzollte Rolex-Uhren ihrer Club-Funktionäre denken und auf den Rängen wieder einmal "Scheiß-Millionäre" johlen. Also redet Bayern-Trainer Heynckes lieber vom "großen Hunger" seiner Mannschaft. Nicht dass die Star-Truppe darbt - Vereinskasse, Spieler-Konten und Bankett-Tische sind gefüllt. Aber wenn die Borussen im bevorstehenden Champions-League-Finale gewinnen, müssen die Verlierer aus Bayern zur Strafe vielleicht bald "Gras fressen". So, wie es der ziemlich erfolglose Fußballlehrer des Hamburger Sportvereins dieser Tage von seinen Untergebenen gefordert hat. Das alles erinnert dann doch eher an gierige Diktatoren, deren hungernde Untertanen sich von Gras ernähren müssen. Oder im Fußballerjargon: Als würde Borussia Nordkorea gegen den FC Burundi antreten.

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