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Mediengrummel : Frau Illner und ihr Fernsehen

vom

Simulieren immer mehr Talkshows politische Debatten? Frau Illner widerspricht Herrn Lammert und jetzt mischt sich auch noch unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand ein.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2011 | 05:13 Uhr

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat seinen eigenen Kopf. Er findet zum Beispiel, dass sich zu viele seiner Spezies in den Gremien von ARD und ZDF tummeln. Auch die Fülle von Politikern in immer mehr Talkshows ist nicht nach Lammerts Geschmack. Er selbst bleibt solchen Runden fern. "Sie simulieren nur politische Debatten. In Wahrheit benutzen sie Politik zu Unterhaltungszwecken", stellte er fest. Mit einem solchen Vorwurf kann Maybrit Illner vom ZDF "wenig anfangen", wie sie kürzlich in einem Interview sagte. An Medienkritiker gewandt, offenbarte sie gar die Erkenntnis: "Wir machen nun mal Fernsehen, und Fernsehen ist zwangsläufig oberflächlich.
"Zwangsläufig oberflächlich?" Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der solche Wortführer hat, braucht keine Gegner mehr. Womöglich sollten die Ministerpräsidenten nun auch den ZDF-Staatsvertrag korrigieren: "In den Sendungen des ZDF soll den Fernsehteilnehmern in Deutschland ein oberflächlicher (streiche: objektiver) Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein oberflächliches (streiche: umfassendes) Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden." Damit wäre klar, wie das ZDF und seine Bediensteten ihren Auftrag zwangsläufig erfüllen müssen. Die letzten Kämpfer für mutige Reportagen, lohnende Diskussionsrunden und anspruchsvolle Drehbücher wären auf dem Lerchenberg endgültig überflüssig.
Vielleicht aber hat Frau Illner das alles nicht so ernst gemeint. Dann hätte sie nur das getan, wofür auch einige andere Gesprächsleiter im Fernsehen Geld aus einem Gebührentopf von siebeneinhalb Milliarden Euro bekommen: Oberflächlich dahergeredet.
(shz)

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