Mediengrummel : Flugfreunde

Eine Fluggesellschaft will, dass Facebook-Freunde auch über den Wolken zueinander finden. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hälts da eher mit George Clooney.

shz.de von
22. Januar 2012, 06:02 Uhr

Kiel | Wie war einst alles so klar geregelt! Die guten Linsen kamen ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. In der Kirche knieten die Böcke zur Linken und die Schafe zur Rechten. Auf dem Schulhof rannten die Könner dem Ball hinterher, die anderen wurden zwischen zwei Ranzen im Tor abgestellt. Im Zug reisten die einen im Nichtrauchermief, die anderen im Zigarettenqualm. Es soll sogar Zeiten gegeben haben, in denen man den Fernseher nur ein- oder ausschalten brauchte. Ohne lästige Programmwahl.
Irgendwann galten die einfachen Unterscheidungen nicht mehr. Gute wie schlechten Linsen machten Karriere in Ökobuletten und die Bahn kannte nur noch Nichtraucher. Raucher durften sich höchstens noch in aufgemalten Bahnsteigpferchen drängeln. In den Kirchenbänken war unisex nichts Unanständiges mehr. Dem Fernsehen wurde Programmvielfalt verpasst, was zu Folge hat, dass uns heute über zig Sender jede Menge Zeitgenossen ins Haus kommen, mit denen sich schon auf dem Schulhof niemand abgeben wollte.
Die moderne Kommunikation trennt endlich wieder, was nicht zusammen gehört. Zum Beispiel die Facebook-Freunde vom Rest. Noch in diesem Jahr sollen Passagiere der Fluggesellschaft KLM beim Buchen ihr "Facebook-Profil" angeben können. Automatisch setzt der Computer dann alle "Freunde" im Flugzeug zusammen. So können sich die Sitznachbarn einen ganzen Flug lang alles, was sie schon immer mal los werden wollten, analog übermitteln. George Clooney wird man beim neuen "Social Seating" wohl nicht treffen. Hat er doch gestanden, er lasse "lieber eine Prostata-Untersuchung von einem Arzt mit eiskalten Händen über sich ergehen, als eine Facebook-Seite zu haben“. Ein echter Freund, der Clooney!

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen