Mediengrummel : Flegeleien

Man kennt sie, die allgegenwärtigen Smartphone-Fummler und Handy-Schwätzer. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand gibt ein paar Hinweise zum Umgang mit ihnen

shz.de von
02. September 2013, 06:00 Uhr

Ein Oberwichtiger rühmte sich neulich vor der Presse, dass er "zweimal in fünf Minuten" auf seinem Handy nachschaut, ob es etwas "abzuarbeiten" gibt. Im Urlaub versucht er es mit zweimal am Tag. Man kennt sie, die allgegenwärtigen "Smartphone"-Fummler und Handy-Schwätzer, denen kein Ort heilig und keine Unterhaltung anregend genug ist, um auch nur ein Viertelstündchen auf ihr digitales Prestigespielzeug zu verzichten. Denen mal so richtig analog die Meinung sagen, das wär's. Doch Vorsicht, das passende Wort und die eindeutige Geste können teuer werden! Ein Stinkefinger kann schon mal 4000 Euro Beleidigungsgebühr kosten, einen Vogel zeigen immerhin noch 750 Euro. "Bekloppter" wäre eine zutreffende Charakterisierung und mit 250 Euro eine relativ preiswerte Variante. Seinen Gegenüber ungestraft als "Arschloch" oder "blöde Sau" zu bezeichnen, ist nur im Fernsehen bei Krömers "Late Night Show“ zu empfehlen. Dort nämlich weisen die Schimpfwörter für den Zuhörer nicht den beleidigenden Charakter auf, der ihnen sonst zukommt, entschieden jüngst Richter am Oberlandesgericht Hamburg, nachdem "Arschloch" gegen "Sau" geklagt hatte.

Im englischsprachigen Raum werden Zeitgenossen, denen der Kontakt zum Handy wichtiger ist als zu ihrer menschlichen Umgebung, seit neuestem als "Phubber" bezeichnet. Eine Wortkombination aus "Phone" und "snub" (beleidigen, brüskieren). Den Begriff hat ein australischer Student erfunden, der mit einer Internet-Kampagne den Kampf gegen die "Phubber" aufgenommen hat. Im Netz findet man eine treffende Übersetzung, die in der nächsten Duden-Ausgabe nicht fehlen sollte: "Handy-Flegel".

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