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Mediengrummel

22. August 2017 | 13:19 Uhr

Mediengrummel : Fernsehmüll

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Gottschalk vermisst dummes Zeug und Blödsinn im Fernsehen. Die Intendanten sollten sich gegen diese Kritik wehren, findet unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand

Es ist gut fünf Jahre her, da wetterte Marcel Reich-Ranicki auf dem Bildschirm gegen den „Blödsinn“ im deutschen Fernsehen. Den Deutschen Fernsehpreis, den er für sein Lebenswerk bekommen sollte, lehnte er ab. Zuvor hielt Thomas Gottschalk eine Laudatio, „bei der man beim Fremdschämen gar nicht mehr hinterher kam“, wie Zeit Online schrieb. Der damalige ZDF-Intendant Schächter nannte den Auftritt Reich-Ranickis eine „Sternstunde“ des Fernsehens. Der heutige ARD-Programmdirektor fand, der „ehrwürdige, respektable alte Herr“ habe „einfach mal abgekotzt übers deutsche Fernsehen.“ Zu Unrecht, versteht sich.

Fünf Jahre später. Gottschalk besinnt sich auf sein Kerngeschäft. „Wir brauchen wieder mehr dummes Zeug im Fernsehen“, lässt er über ein Boulevardblatt verbreiten. Er klagt: „Mir fehlt der Blödsinn im Fernsehen.“ Offenbar lässt ihm die Arbeitssuche keine Zeit, sich im deutschen Fernsehen umzuschauen. Dabei könnte er so viel erfreuliches Larifari in den Programmen entdecken. Von Bohlen über Heidi Klum und Cindy aus Marzahn bis zu Lanz, von der „Shopping Queen“, „Leute heute“ bis hin zu einfältigem Moderatorengeplapper im „Moma“ und „Mima“. (Morgen- und Mittagsmagazin).

Warum, fragt man sich, kann der Gesichtsvermieter Gottschalk seine Vorwürfe unwidersprochen in die Welt setzen? Warum protestiert keiner der sonst so schnell beleidigten Intendanten und belegt, dass es in ihren Programmen an Dümmlichem nun wahrlich nicht mangelt? Gut, ein bisschen Blödsinn könnten wir Zuschauer noch vertragen. Einen Marke Heinz Erhardt vielleicht. Der allerdings wollte dem Müll eine Abfuhr erteilen und ihn nicht senden.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 06:30 Uhr

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