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Mediengrummel

18. November 2017 | 18:45 Uhr

Mediengrummel : Fernsehen ohne...

vom

Weniger ist manchmal mehr. Ohne ist noch mehr. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand will einen neuen Trend im Deutschen Fernsehen festgestellt haben.

shz.de von
erstellt am 28.04.2014 | 06:30 Uhr

Beim Fernsehen ist ein neuer Trend zu erkennen: "Fernsehen ohne" scheint sich mehr und mehr durchzusetzen. Fernsehsendungen ohne Sinn und Verstand, Filme ohne Inhalt, gut, das haben wir schon lange. Aber dass es neue Hitler-Filme ohne Guido Knopp gibt, das ist noch nie da gewesen. Bald wird es Samstagabende ohne "Wetten, dass..?" und vielleicht ZDF-Räte ohne Politiker geben. Visionäre diskutieren ernsthaft über Gebühren-Fernsehen ohne Werbung. Vereinzelt sinnieren Intelektuelle schon über Fernsehen ohne Ton. Und ganz moderne Zeitgenossen schauen gar Fernsehen ohne Fernseher. Die klappten einfach ihre Rechner auf.

Nur Fernsehen ohne Zuschauer, das klappt noch nicht. Deshalb prescht RTL wieder einmal vor. Der Sender hat Fernsehen ohne Kleider angekündigt. "Adam sucht Eva" heißt das neue Experiment am lebenden Zuschauer. Ein nacktes Pärchen trifft sich auf einer tropischen Insel und soll erkunden, ob es Gefallen aneinander hat. Natürlich will RTL nur herausfinden, ob Kleider wirklich Leute machen, und nicht etwa, was Leute ohne Kleider so alles machen.

Geradezu tollkühn zeigt sich der ARD-Sender "EinsPlus". Er will nächste Woche eine Talkshow ohne Moderator präsentieren. Noch nie dagewesen, die Idee zwischen genial und sensationell: Zwei Menschen sitzen sich gegenüber und sprechen miteinander. Einfach so, mit Lust darauf, den anderen kennenzulernen, 30 Minuten, ohne vielstimmige Rechthaberei und vor allem ohne Vorplauderer. Wenn das Schule macht, werden wir sonnabends bald eine ARD-Sportschau ohne Zeit schindendes Geschwätz sehen können. Vorwiegend mit Fußball. Wie früher bei Ernst Huberty. Falls den noch jemand kennt.

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