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Mediengrummel : Fernsehen nebenbei

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Fernsehen ist weniger langweilig, wenn man parallel dazu andere Tätigkeiten verrichtet. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat das auch dieser Tage beobachtet.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2010 | 05:37 Uhr

Vor geraumer Zeit wartete ein Umfrageinstitut mit der Erkenntnis auf, dass Fernsehen ein "Parallelmedium" sei. Will sagen: Wer in die Glotze guckt, kann dabei gleichzeitig allerlei anderes erledigen. Überraschend ist das eigentlich nicht, das war schon in der frühen Fernsehzeit so, als der Flimmerkasten das Lagerfeuer ablöste, um das man sich zum Durbridge-Krimi in Schwarzweiß versammelte. Während damals nebenbei Socken gestopft, Strümpfe gestrickt oder Dauerwellen in Form gebracht wurden, wird heute vor dem Flachbildschirm telefoniert, gesimst, getwittert oder gesurft. Manche lesen nebenher, andere hören Musik. Bald werden auch "iPads" zur Ausstattung von Fernsehzuschauern gehören, weil Quassel-Shows, Schnulzenfilme oder reklameverseuchte Sportsendungen so produziert werden, dass man sich parallel dazu gut um einige wichtigere Dinge kümmern kann.
Das eine tun und das andere nicht lassen. "Multitasking" heißt das heute und bedeutet zum Beispiel, dass jemand gleichzeitig telefonieren, Kartoffel schälen, nach dem überschäumenden Kochtopf schauen, mit einem Fuß den Hund auf Distanz halten und dabei eine Zigarette rauchen kann. Frauen sollen das besser beherrschen als Männer. Vermutlich weil ganze Kerle wissen, dass ein Mensch höchstens zwei Herausforderungen zeitgleich meistern kann. Beispielsweise Biertrinken und parallel dazu dem Fernseher lautstark Vorschläge zurufen, wie unser Fußballkapitän Lahm endlich seinen pfeilschnellen Gegenspieler stoppen könnte. Oder im Autokorso fahren und dabei allen Nochnichtwissenden mit der Vuvuzela-Tröte ins Ohr trichtern, dass "wir" unseren Gegner soeben geschlagen haben.
Rechtzeitig zur Fußball-WM hat übrigens eine andere Umfrage erbracht, dass 52 Prozent der Deutschen bei einem Finale mit deutscher Beteiligung sich nicht einmal durch "eindeutige Angebote des Partners oder der Partnerin" vom Fußballschauen ablenken ließen. Von wegen "Parallelmedium".

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