Mediengrummel : (Ex)Kommunikationsprobleme

Wenn etwas Unangenehmes an die Öffentlichkeit kommt, ist häufig ein "Kommunikationsproblem" schuld. Oder steckt manchmal doch mehr dahinter?

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17. Februar 2009, 12:29 Uhr

Ein weiser Regierungsbeschluss, der beim Volk keinen Jubel auslöst, ist einfach nur falsch "kommuniziert" worden. Wenn die Wähler nicht so gewählt haben, wie die Parteien es erwarteten, hat es ein "Kommunikationsproblem" gegeben. Auch wenn eine Panne im Atomkraftwerk erst nach Tagen auffliegt. Wenn Journalisten ungefiltert über die Grausamkeiten des Krieges berichten, ist in der "Kommunikation" der Militärs etwas schief gelaufen. Kommt also etwas Unangenehmes an die Öffentlichkeit, steckt dahinter häufig nur ein "Kommunikationsproblem".
Der Herr Mehdorn von der Bahn hat ein solches "Kommunikationsproblem". Als ihm die Medien vorwarfen, in seinem Unternehmen seien 173 000 Mitarbeiter bespitzelt worden, beteuerte er halsstarrig:"Wir werden das auch wieder machen, wenns darauf ankommt. "Allerdings würde das Unternehmen dann einen solchen Vorfall "anders kommunizieren". Das tat er dann notgedrungen ein paar Tage später: "Wir waren übereifrig. Es war falsch verstandene Gründlichkeit", ließ der schaffige Bahn-Chef über die Medien verbreiten. Er schlitterte erst mal knapp am Abstellgleis vorbei und kommunizierte sich zum nächsten Problem.
"Die Journalisten haben lediglich ihre Pflicht getan"
Der Herr Zumwinkel hat auch versucht, ein Problem kommunikativ zu lösen. Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung befand er in einem Interview, sein Vertrauen in den Rechtsstaat habe gelitten, die Behörden hätten bei den Ermittlungen" gegen mehrere Gesetze verstoßen", daraus sei eine "mediale Hinrichtung" geworden. Die medialen Vollstrecker bedachte er mit höhnischer Nachsicht:" "Die Journalisten haben lediglich ihre Pflicht getan". Der Mann hat mehr als ein Kommunikationsproblem.
Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger wird diskriminiert. Er verklagte den Journalisten Jens Weinreich, weil der ihn im Internet als "unglaublichen Demagogen" betitelt hatte, drohte gar mit seinem Rücktritt. Dreimal siegte vor Gericht die kleine Meinungsfreiheit über den großen DFB, dann erklärte der Fußballfunktionär seinen Rücktritt vom Rücktritt: "Das Gefühl der Ohnmacht, mit solchen neuen kommunikativen Mitteln nicht fertig zu werden, hat sich mittlerweile gelegt. Das verändert meine Zukunftsperspektive", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Hört sich nicht an, als sei Zwanzigers "Kommunikationsproblem" gelöst.
Das zurzeit aufregendste "Kommunikationsproblem" ist auch nicht vom Himmel gefallen, obwohl diese Ausrede bei seinem Verursacher nahe läge. Eigentlich ist es eher ein "Exkommunikationsproblem". Erst hat der Herr Ratzinger einen bekennenden Antisemiten samt erzkonservativen Glaubensbrüdern in den Schoß der katholischen Kirche zurück geholt, dann ernannte er auch noch einen Mann zum Bischof, der Katastrophen für Strafen Gottes und Harry Potters Zauberei für Satanswerk hält. Während man in Rom die Schuldigen an dem Desaster in einem Medien-Komplott sucht, analysiert der Medienbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz die Lage realistisch: "Das Kommunikationsproblem ist ein ganz großes Problem für die Kirche geworden, nämlich ein Glaubwürdigkeitsproblem". Diesen Umstand teilt sich die Kirche nun mit manchen anderen, die angeblich auch nur ein "Kommunikationsproblem" haben.

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