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Mediengrummel

22. Oktober 2017 | 19:51 Uhr

Mediengrummel : Ewige Unruhe

vom

Die neue Medienwelt hat nicht nur ihre lustigen Seiten. Irgendwann heißt es auch hier Abschied nehmen. Doch unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat gute Nachrichten.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2012 | 11:03 Uhr

Auch in der neuen Medienwelt heißt es mal Abschied nehmen. Grabstein und Handy haben nicht zufällig eine ähnliche Form. Sogar die Aufschrift, die in Stein gehauene Lebens-SMS, zeigt Parallelen. Höchstens 160 Zeichen transportiert der Short Message Service übers Mobiltelefon. Mehr geht auch nicht auf ein durchschnittlich großes Grabmahl.
Die altehrwürdigen sprechenden Grabsteine auf Föhr und Amrum mal ausgenommen. Die geben mitunter mehr Wörter von sich, als ein echter Inselbewohner in seinem ganzen Leben hervorbringt. Und wo ein "Gott sei seiner Seele gnädig" nicht mehr auf den Stein passte, haben sich die Altvorderen aus dem Prädigitalikum in bester SMS-Manier mit dem Kürzel G.S.S.S.G. beholfen. Wer Zeit seines Lebens das Wachstum jedes Gesichtspickels über Internet und Mobiltelefon verbreitet, wird sein unvermeidliches Ableben als herben Verlust für die Nachwelt einstufen. Unter einem stummen Stein die ewige Ruhe zu finden, ist für echte Handy-Nutzer keine Perspektive.
Doch es gibt Hoffnung auf endlose Betriebsamkeit: Quick-Response-Code, kurz QR-Code, heißt die Lösung. Das schwarz-weiße Pixelquadrat erinnert zwar eher an mysteriöse Maya-Hieroglyphen als an moderne Kommunikation. Mit einem aufgemotzten Handy lässt sich das Gekrakel allerdings schnell entschlüsseln. Es kann sogar eine Verbindung ins Internet herstellen. Bislang versucht vor allem die Werbung daraus Nutzen zu ziehen. Aber auf Wunsch installieren inzwischen gewiefte Steinmetze den QR-Code auf Grabsteinen. Das Zeichen führt dann aus der Gruft direkt ins unauslöschliche Internetleben des Verstorbenen. Endlich ewige Unruhe!

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