Mediengrummel : Etwas mit Medien

Wird sich das deutsche Fernsehen mit dem momentanen Talkshow-Tsunami totsenden? Der Frage ist unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand nachgegangen. Aber nicht alleine.

shz.de von
20. September 2011, 07:44 Uhr

Mein Vetter ist ein kluger Mann. Deshalb macht er beruflich etwas mit Wissenschaft und nicht etwas mit Medien. Er liest aber regelmäßig seine Zeitungen. Dann und wann schaltet er auch seinen Fernseher ein. So ist ihm nicht verborgen geblieben, dass die inflationär produzierten Talkshows das Fernsehprogramm nicht gerade wertvoller machen. Die Zuschauer werden sich irgendwann fragen, was das ganze Gequatsche soll, meinte er neulich nach dem ersten abendlichen Glas Rotwein. Aber findige Programmplaner, so seine These, könnten auch daraus noch Kapital schlagen - mit der nächsten Generation Talkshow, in der die landläufigen Vor- und Nachdenker ihre schon gesendeten Talkshow-Auftritte erläutern und ihre besten Argumente kommentieren. Motto: "Wir schon wieder - Die Talkshow zur Talkshow".
Beim dritten Gläschen Wein unter Vettern waren wir uns einig, dass in dieser Weiterentwicklung spätabendlicher Diskurskultur weiteres Potential läge. Feuilletonredakteure aller Leitmedien, auch des Deutschlandradios, kämen nicht umhin, diesen neuesten Coup der Fernsehkreativen ausgiebig zu würdigen. Vielleicht sogar kritisch-kollegial hinterfragend. Das wäre dann der Moment, den nächsten großen Schritt zu wagen: Eine Talkshow, die sich der Problematik annimmt, warum es Talkshows über Talkshows geben muss. Eine Talkshow der dritten Dimension, sozusagen. Der Einfachheit halber könnten auch dieses Geschäft die bereits bekannten Sesselkreisprofis verrichten. Vielleicht gibt ihr Terminkalender ja vor dem Frühstücksfernsehen noch ein Stündchen her.
Mein Vetter überlegt sich nach diesem weinseligen Abend, ob er nicht doch etwas mit Medien machen sollte. Wo hier doch gute Ideen immer gefragt sind.

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