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Mediengrummel

17. August 2017 | 16:22 Uhr

Mediengrummel : Dumm-Macher

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Machen uns Computer und Internet dumm? Kann schon sein. Dabei haben wir mit den analogen Dumm-Machern genug zu tun, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

Der Mediziner und Neurowissenschaftler Prof. Spitzer behauptet schon lange, dass Fernsehen unsere Kinder „dick, dumm und gewalttätig“ macht. Ein Blick in den sonntäglichen ZDF-Fernsehgarten lässt befürchten, dass auch Erwachsene nicht ungeschoren davonkommen. Außerdem findet der Professor, dass Surfen im Internet "digitale Demenz" erzeugt. Wie das Navigationssystem im Auto, das den Orientierungssinn verkümmern lässt. Der amerikanische Journalist Nicholas Carr fragt sich, ob uns Google dumm macht. Ja, sagt er, wir werden auf Oberflächlichkeit abgerichtet, hangeln uns nur noch von Link zu Link und unsere Gehirnzellen werden immer fauler. Die „Digital-Therapeutin“ Anitra Eggler verdächtigt die E-Mails, „dumm, krank und arm“ zu machen, was in etwa der Wirkung von Facebook entspricht, wovon man „blöd, blind und erfolglos“ wird. Günter Grass sagt das in literarischer Freiheit: „Facebook ist Scheißdreck“.

Was war das früher einfach! Da machten uns Senf, Mohn und Zucker ganz undigital dumm. Zuwenig Salz auch. Fettes Essen und Glutamat sowieso. Alle wussten, dass Kiffen dumm macht, Alkohol erst recht. Die Schule, wenig Schlaf, Boxen, Angst, Doping – alle sind längst als Dumm-Macher entlarvt. Ebenso Kopfballspielen, wo sich unter Kickern doch auch welche mit Gehirn befinden. Manche meinten sogar, dass Erfolg dumm machen kann oder die Ehrlichen immer die Dummen sind. Ein bisschen wie früher ist es trotz allem noch: Wo sich die einen dumm zahlen, verdienen andere sich dämlich. Wer das alles nicht glaubt, sollte mal im Internet nachschauen. Dort, bei Google, kann er unter den Stichwörtern „dumm“ und „dämlich“ über elf Millionen Hinweise studieren.

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erstellt am 16.Sep.2013 | 07:39 Uhr

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