Mediengrummel : Die Karawane zieht weiter

Mitlatschen oder in der Wüste enden: Thomas Gottschalk erklärt sich zum Kamel und die Qualitätsdebatte im Fernsehen für beendet. Der Mediengrummel, Folge 1.

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17. Februar 2009, 12:42 Uhr

Vorhang auf für den Medienrummel 2009! Zu sehen gibt’s dieselben Akteure wie 2008, nur anders, oder wie Thomas Gottschalk zu seinem Duz-Freund Reich-Ranicki sagte: "Jeder hat seine Meinung gesagt und die Karawane zieht weiter". Damit erklärte er die Qualitätsdebatte im Fernsehen für erledigt und bekannte: "Außerdem bin ich eines der Kamele. Entweder latsche ich mit oder ich ende in der Wüste."

Gottschalk latscht jedoch nicht alleine. Auch Harald Schmidt muss schauen, wie er durchs neue Jahr kommt. 2009 trennt er sich von seinem Dienstboten Oliver Pocher und strebt an, "die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt." Als Ansager bei der "Bambi"-Verleihung und
als Oscar de Navetta auf dem ZDF-"Traumschiff" hat er sich für geistige Höhenflüge bereits empfohlen und bewiesen, dass er über manches Stöckchen zu springen bereit ist. Derweil kratzt Pocher bei Bohlen an der Tür. Das leuchtet wenigstens ein.
"Allerschlimmste Lärmmaschine der Neuzeit"
Für Bärbel Schäfer hat sich eine andere Tür im neuen Jahr bereits geöffnet. Der öffentlich-rechtliche Radiosender Hessen 3 findet, er habe "eine großartige Persönlichkeit" für eine "Talk-Sendung" gewonnen. Und doch will einem nicht aus dem Kopf, dass der Autor Jürgen Roth über die neue
HR3-Stimme einmal geschrieben hat, sie sei "die schlimmste und allerschlimmste Lärmmaschine der Neuzeit." Drei Stunden sollen die Sendungen mit Frau Schäfer jeweils dauern.
Es ist gut möglich, dass im Medienrummel 2009 auch Anne Will mit ihrer Talkshow weiterziehen muss. Zu ihrer Sendezeit wollen die ARD-Sportchefs die teuer bezahlten Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga senden, heißt es. Jetzt baut die harmlose Polit-Nanny auf das Wort ihres Programmdirektors, der die Kurzhosen-Millionäre lieber in den dritten Programmen kicken lassen
möchte, die Cottbusser gegen die Bochumer zum Beispiel, die zwar selbst mit einem 0:0 das Abendangebot mancher Dritten qualitativ verbessern würden, aber im Regionalprogramm eigentlich nichts zu suchen haben.
Einige B- und C-Promis latschen schon in diesen Tagen los – ins RTL-"Dschungel-Camp". Frei nach Gottschalk fragt man sich: Was haben die Kamele im Dschungel verloren? Warum schickt man sie nicht in die Wüste, wo sie hingehören, und lässt sie einfach dort?

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