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Mediengrummel : Die Auferstehung des Osterhasen

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Einige glauben noch an den Osterhasen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand. Aber das digitale Zeitalter sät immer mehr Zweifel - auch bei unseren Kindern.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2013 | 06:18 Uhr

Früher war alles unkomplizierter, auch für den Osterhasen. Die Kinder glaubten an den eierbringenden Mümmelmann, vorbehaltlos. Sie schrieben ihm Lieferaufträge und gaben als Erwachsene ihren Hasen-Glauben an die nachwachsende Generation weiter. Manche schreiben als Gealterte immer noch Briefe an den Hasen, wie vor längerer Zeit der Hof-Philosoph der "Bild"-Zeitung F.J. Wagner. Ihm ist der Osterhase ein "Rätsel der Welt" geblieben, "neben der Urknalltheorie". Wobei er dem Hasen eigentlich nur mal über "Bild" mitteilen wollte, wer in diesem Land Eier hat und wer nicht. Grass habe keine, schrieb Wagner, und Tom Buhrow von den Tagesthemen wisse gar nicht, was ein Ei ist. Eier hätten in Deutschland Frau Merkel und Herr Seehofer.

So rührend gutgläubig gings bei Groß und Klein früher zu. Heute sitzen medienkompetente Dreijährige vor Tablet-PCs und bekommen millionenfach Suchergebnisse über den Osterhasen vorgegoogelt, selbst wenn sie Hase mit "aa" eintippen. In Sekundenschnelle wird unseren Kindern die Illusion genommen, dass Hasen Wunschzettel lesen können und mit dem Christkind verwandt sind. Oder dass sie Nester bauen und mit ihren Hasenkindern Eier bemalen. Heutzutage kann jeder digitaldressierte Knirps erfahren, dass der eierlegende Vollmilch-Hase vor wenigen Monaten noch als Weihnachtsmann im Supermarkt stand und am Ostersonntag als neugeformter Schoggi-Hase auferstehen muss. Im fernen Australien gar als "Easter Bilby", der Schokoladenkaninchennasenbeutler, steht bei Wikipedia. Immerhin scheint der Artgenosse des christlich-abendländischen Hasen seine Ostereier nicht in einem Buckelkorb schleppen zu müssen.

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