Mediengrummel : Danke ZDF!

Die Politik hat versucht, Einfluss auf das ZDF zu nehmen. Wer hätte das gedacht! Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand gratuliert zum Sieg der Pressefreiheit.

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28. Oktober 2012, 04:24 Uhr

Weil sich ein CSU-Strippenzieher zu sicher gefühlt hat, wissen wir endlich, dass das ZDF "keine politische Einflussnahme auf seine Sendungen zulässt", wie der Intendant beteuert. Noch besser ist, dass das ZDF selbst die "Anruf-Affäre" ins Rollen gebracht hat. Das setzt Maßstäbe!
Wir dürfen nun fest damit rechnen, dass das ZDF weiterhin jeden Versuch politischer Einflussnahme bekannt gibt. Die Ministerpräsidenten Beck, Seehofer, Platzeck und Tillich samt einem Staatsminister und einer Staatsministerin a.D., die allesamt im ZDF-Verwaltungsrat die Tätigkeit des Intendanten überwachen, sollten sich deshalb warm anziehen. Auch die von Bund und Ländern gestellten 19 Parteibuchinhaber und zwölf Parteienvertreter, die im Fernsehrat das ZDF kontrollieren, müssen in Zukunft mit Enthüllungen rechnen. Erst recht diejenigen, die den inoffiziellen, parteipolitisch sortierten ZDF-"Freundeskreisen" angehören und im Hintergrund Absprachen treffen. Bestimmt werden Räte und Ausschüsse im ZDF bald regelmäßig öffentlich tagen. Vielleicht hören wir von Aktenvermerken und Flurfunknachrichten, die nach Ratschlägen und Beschwerden von Politkern entstehen. Wir werden nun auch erfahren, wie eine Staatsaffäre abgewendet werden konnte, als Chefredakteur Brender im ZDF aus dem Weg geräumt wurde, weil die Herren Stoiber, Koch und andere es so wollten. Wir werden Einblick bekommen, wer alles von den Eins links-Eins rechts-Postenvergaben profitiert. Womöglich dürfen wir sogar noch mit einem Bekenntnis der ARD rechnen, dass es bei ihr ähnlich zugeht.
Ein kleiner, schändlicher Anruf aus der CSU-Zentrale, ein großer, mutiger Schritt für die Pressefreiheit. Danke ZDF!

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