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Mediengrummel : Beim Weltuntergang das übliche Grauen

vom

Was tut das Fernsehen am Tag des Weltuntergangs für seine Zuschauer? Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat nachgeforscht und macht sich so seine Gedanken.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2012 | 06:52 Uhr

Von Nichts ist bekanntlich so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre. Der Weltuntergang am 21. Dezember zum Beispiel. Schlecht ist die vorweihnachtliche Apokalypse für den Einzelhandel, das Kassengeklingel verstummt dreieinhalb Tage zu früh. Gut ist, dass wir am einundzwanzigsten blau machen und alles auf die Mayas schieben können. Wir dürfen in Ruhe ausschlafen, später eine Pizza Liquidatione XXL bestellen, eine und noch eine Flasche Wein öffnen, uns ohne Angst vor dem Krebs eine Zigarette gönnen und den Fernseher einschalten. Dort gibts bei "arte" tatsächlich die "99 Gründe, warum die Welt nicht untergehen darf". Aber einmal die Senderliste durchgezappt und man versteht Taste für Taste besser, warum die Welt unwiderruflich keine Lust mehr hat.
Ein Blick ins Programmheft zeigt, dass die Fernsehsender sich für die letzten Stündchen ihrer Zuschauer wenig interessieren. Draußen wüten die sieben Plagen der Endzeit und im Wohnzimmer macht die achte Plage einfach weiter mit dem übliche Grauen: Frühstücksfernsehen, Kochsendungen, Neues aus der Tierklinik Lüneburg, Gute Zeiten - schlechte Zeiten ... Kein "Brennpunkt" nach der Tagesschau, stattdessen der 999. Auftritt des kleinen Lord Klugscheißer. Da darf man dann, falls das Haus noch steht, das Weinregal endgültig leeren und darauf anstoßen, dass die Nacht ohne Morgen auch ihr Gutes hat: Noch eine Wiederholung wirds nicht geben.
Sollte am 22. Dezember morgens Ihre Zeitung im Briefkasten stecken, haben sich die Mayas wohl verrechnet. Einzelhandel und Fernsehen sind noch einmal davon gekommen. Und Ihren apokalyptischen Kater können Sie ja über Weihnachten ausschlafen.

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