Mediengrummel : Auf den Zeugwart kommt es an

Die deutsche Fußballmannschaft hat bei der WM viele Helfer. Der wichtigste ist der Zeugwart, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand. Ohne ihn läuft gar nichts.

shz.de von
16. Juni 2014, 06:30 Uhr

Weil Fußballer allerlei Zeug brauchen, bis sie auf den Platz laufen können, wurde der Beruf des Zeugwarts erfunden. Früher schraubte der Alleskönner die fünf Zentimeter langen Stollen an die eigenhändig geputzten Schuhe. Er sorgte für Leibchen, die seine Frau gewaschen und geflickt hatte, und er schaffte das Bier heran, weil es nach dem Spiel noch lange nicht vor dem Spiel war.

Als fußballbegeisterter Medienkonsument ahnt man, was ein Zeugwart heutzutage bei der WM zu tun hat. Saubere Trikots trägt er den Kickern immer noch hinterher. Jetzt auch Ohrclips, groß wie Smarties, und kinderbunte Schuhe. Hauptsächlich aber muss er fit sein, wenn es um Kommunikationstechnik geht. So hat er für die Kopfhörer in halber Handballgröße zu sorgen, die von den Stars getragen werden müssen, wenn sie aus ihrem Bus aussteigen. Wenn der Neuer tobt: "Verdammt, wo bleib mein Netz?", dann muss der Zeugwart wissen, wie er das Hotel-WLAN in Schwung bringen kann. Wenn's Boateng am iPad langweilig wird, muss er ihm flugs das neueste Grafikprogramm für Tattoos herunterladen können. Und den RealPlayer darf er auch nicht für einen spanischen Kicker halten.

Auf den Zeugwart kommt es an! Früher saß er mit auf der Ersatzbank, heute vor der Datenbank. Jede Flugbewegung des Balls wird per Video erfasst. Wenn aber der Mannschaftsdiener das Runde nicht auf das Eckige bringt, bleibt der Laptop-Bildschirm dunkel. Woher soll Lahm dann wissen, wie er den Follower von Ronaldo spielen soll? Und noch eins: Heute wie gestern wachen Trainer über das WM-Zölibat ihrer Schützlinge. In Zeiten von Cybersex stellt sich diese Frage nicht mehr so scharf. Der Zeugwart hilft da gerne weiter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen