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Mediengrummel

17. Oktober 2017 | 23:18 Uhr

Mediengrummel : Asynchron lesen

vom

Wer regelmäßig Zeitschriften kauft, muss tief in die Tasche greifen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand kennt eine günstige Alternative, die aber auch Nachteile hat.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2012 | 05:03 Uhr

Anders als im Internet gibts Informationen am Kiosk nicht gratis. Will sich eine mittelgroße Familie mit Hund und Katz aus Magazinen und Zeitschriften auf dem Laufenden halten, kann das ganz schön ins Geld gehen. Ein Magazin für Adels- und eins für Politklatsch, eine Zeitschrift für den Tierfreund und eine für englische Gartengestaltung, ein Kickerfachblatt, eine Illustrierte für selbst gebastelte Wohnungsdeko und ein Ratgeber fürs schonende Gemüsegaren... da kann der monatliche Medien-Etat schnell an die Hundert-Euro-Grenze stoßen. Kann, muss aber nicht.
Wer bereit ist, sein Leben etwas asynchron einzurichten, kommt billiger weg. Für Mitglieder von Lesezirkeln gibts in der sparsamsten Kategorie für schlappe sechs Euro pro Woche elf Zeitschriften eigener Wahl. Die sind zwar vier Wochen alt, werden aber frei Haus geliefert, inklusive fremder Bakterienkolonien, ganz wie in Arztpraxen und Friseursalons. Allerdings darf man sich nicht daran stören, mit den neuesten Tipps für Osterbasteleien erst dann loslegen zu können, wenn andere schon ihr Auto für die Pfingstferien beladen. Dafür dürfen sich Lesezirkel-Abonnenten noch über einen Ministerrücktritt freuen, wenn sich die ungeduldigen Synchron-Leser schon über den Nachfolger aufregen müssen.
Ob die Mitglieder von Lesezirkeln gefühlt vier Wochen länger leben oder vier Wochen früher sterben, ist noch nicht untersucht. Aber soviel ist sicher: Von Wetten am Arbeitsplatz, wer die Fußball-EM gewinnt, wird ihnen nach dem 1. Juli abgeraten. Es könnte ja unter den Kollegen einer von diesen Nachrichten-Junkies sein, die eine Tageszeitung abonniert haben.

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