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Mediengrummel

21. August 2017 | 20:22 Uhr

Mediengrummel : Anzeigentricks

vom

Zwischen der Berliner "Tageszeitung" und Helgoland hat es gekracht. Aber der Streit zeigt Wege fürs Überleben anderer Zeitungen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

Wovon lebt eine Zeitung? Von ihren Lesern? Ja, schon. Von Neuigkeiten? Auch das. Vor allem aber lebt sie von Anzeigen. Also muss sie schauen, dass sie Werbekunden gewinnt. Die ewig klamme "tageszeitung" (taz) hat dafür einen besonderen Trick gefunden. In einer Reisereportage versenkte sie jüngst die Insel Helgoland als "Isle of Trash". Glaubt man der taz, wohnt dort eine Ansammlung lärmender Alkoholiker, die Fremden mit Kriegsgeschichten auf die Nerven gehen. Trostlos, schmucklos, verrottet sind nur einige der Adjektive, mit denen die Zeitung den "Fuselfelsen" niederschrieb. Die Insel bebte und ihr Tourismusdirektor schaltete zwecks Schadensabwehr eine Gegenanzeige. Wo? Natürlich in der taz! Mindestens das Honorar für die Reporterin dürfte durch diese Einnahme gedeckt worden sein.
Die taz-Anzeigenakquise könnte Schule machen. Zeitungen, die etwa Berlin als Metropole pampiger Wichtigtuer und omnipräsenter Hundekacke vorstellen, dürfen auf ganzseitige Anzeigen der Berlin-Werbung hoffen. Die Schwaben als geizig, besserwisserisch und putzsüchtig darzustellen, kann ebenfalls richtig Geld in die Anzeigenkasse bringen. Beträchtliche Einnahmen versprechen Artikel über verpinkelte Straßen und reihernde Narren in rheinischen Karnevalshochburgen. Die bayrischen Oktoberfest-Veranstalter könnten mit Vokabeln wie Massensaufen und Touristenabzocke zu Image-Anzeigen überredet werden; ein Foto mit abgedrehten Asiaten in Lederhosen würde sogar international Anzeigenkunden erschließen. Möglichkeiten reichlich. Nur auf den Griechen sollte keiner länger rumhacken. Die haben für Anzeigen zur Zeit kein Geld.
(shz)

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erstellt am 14.Jun.2011 | 06:21 Uhr

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