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Mediengrummel

19. Oktober 2017 | 00:14 Uhr

Mediengrummel : Affe im Kopf

vom

Journalisten werden nur mäßig geachtet, obwohl sie für ihren Job außergewöhnliche Fähigkeiten mitbringen müssen, wie unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand weiß.

shz.de von
erstellt am 01.Jul.2013 | 04:22 Uhr

Nicht einmal ein Drittel der Europäer halten Journalisten für vertrauenswürdig. Zum Glück trauen die Menschen Finanzberatern, Autohändlern und Politikern noch weniger. Junge Leute, die sich von solchen Umfragen nicht entmutigen lassen und trotzdem irgendwas mit Journalismus lernen wollen, sollten allerdings nicht nur ihr dickes Fell mitbringen, einige andere körperliche Voraussetzungen sind ebenfalls gefragt.
Ohren, die das Gras wachsen hören, zum Beispiel, und ein kritisches Auge mehr als das ZDF hat. Fingerspitzen mit Gefühl und einen Bauch, in dem es nicht nur kribbelt, wenn man zum Essen eingeladen wird. Ganz wichtig für Journalisten: Strapazierfähiges Sitzfleisch für Medienpreisverleihungen. Breite Schultern gehören zur Grundausstattung, denn irgendjemand muss die Last ja tragen, die der Chefredakteur loswerden will. Ein dicker Hals, der sogar unverdauliche Brocken durchlässt, schadet auch nichts. Ein maßgeblicher Körperteil für Journalisten ist die Nase. Sie muss wittern können, wo etwas faul ist. Manche Medienvertreter haben damit Probleme. Von den jährlich fast eine Million Nasenkorrekturen, die weltweit ausgeführt werden, dürften also nicht wenige im Journalismus anfallen.
Selbst der Kopf wird im Mediengeschäft gelegentlich gebraucht, nicht nur weil dort Spürnase, Augen und Ohren beheimatet sind. Das finden offenbar auch die jungen Journalistenkollegen, die ihrem Büro den merkwürdigen Namen "Affe im Kopf" gegeben haben. An den Hinduismus hätten sie dabei gedacht, sagen sie. Dort gehe es darum, "den Affen im Kopf zu züchtigen, damit er einen nicht in den Wahnsinn treibt." Passt schon. Besser als "Schere im Kopf".

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