Mediengrummel : Abschied vom Lagerfeuer

Die Gebührensender modernisieren ihr Programm, sagen sie. Für die traditionellen Fernsehzuschauer heißts Abschied nehmen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
15. Oktober 2012, 06:47 Uhr

Bei ARD und ZDF grassiert seit geraumer Zeit eine Epidemie und der Fernsehzuschauer muss immer mit dem Schlimmsten rechnen, wenn er auf die Fernbedienung drückt. Kerner, Gottschalk, Schmidt - weg, versenkt in den Gebührenkanälen. Dann der Serien-Affe Charlie. Kaum hatten die deutschen Gemütlichkeitsgucker seinen Weggang verkraftet, wurde ihnen der Weizenbiertrinker Waldi genommen. Neulich hat sich Pudel Monarch nach nur einer Sendung bei Lanz in den Tod gestürzt. Nach mehr als 30 Jahren wird "Ein Fall für zwei" zum Totalausfall erklärt. Dem Förster vom "Forsthaus Falkenau" wird nach über zwei Jahrzehnten das Halali geblasen. Dann verschwindet plötzlich und unerwartet "Der Landarzt" von der Bildfläche. Als wäre ein Vierteljahrhundert aufopferndes Medizinerdasein in Deekelsen nichts wert. Exitus in einem Erdeneckchen, in dem Heringe jetzt wieder die Hauptattraktion sind.
Tröstlich allenfalls, dass auf die abendlichen "Tatort"-Wiederholungen Verlass ist. Und die "Schwarzwaldklinik" wird selbst nach der elften Wiederholung nicht einmal von Ver.di bestreikt. Der bayerische Intendant hat sich sogar in den Kopf gesetzt, die "Augsburger Puppenkiste" wieder aufzuklappen, Verkehrsminister Ramsauer möchte gerne den "7.Sinn" beleben. Das alles bringt wenigstens ein bisschen alte Lagerfeuer-Stimmung in die Stuben zurück. Aber große Hoffnung dürfen sich die Fernsehtraditionalisten trotzdem nicht machen. Wie sagte Intendant Bellut nach einem ZDF-Film über Sterbehilfe? "Bei einem Durchschnittsalter von 61 Jahren trifft ein solcher Film unser Publikum nicht unvorbereitet." Eben. Der Abschied von ein paar Fernsehserien passt da gut ins Konzept.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen