Mediengrummel : Ab in den Stall!

Mit geflügelten Worten lässt sich manches leichter auf den Punkt bringen. Medienprofis wie unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand wissen das natürlich längst.

shz.de von
15. Juli 2012, 08:45 Uhr

Wenn etwas anschaulich auf den Punkt gebracht werden soll, flattern uns gern mal ein paar geflügelte Worte entgegen. In der Politik zum Beispiel. "Zum Regieren brauche ich nur Bild, BamS und Glotze" war so ein Spruch. Alt-Kanzler Schröder hatte ihn von sich gegeben und danach regiert. Nichts spricht dafür, dass er das heute anders sieht.
Freilich sind die Medien wichtig, damit Botschaften Flügel bekommen. Denn was nützt das schönste Wortgeflügel, wenn es keiner zum Fliegen bringt? Wenn es im Halbdunkel von Sitzungszimmern ein trostloses Dasein fristet, sagen wir mal: wie Hühner und Puten in Massenpferchen. Die "Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel" kennt sich da aus und sucht gerade nach geflügelten Worten, weil in jüngster Zeit einige Medien das Ansehen der Geflügelmäster arg gerupft haben. Ein paar öffentlich verbreitete Nettigkeiten über ihre Geflügelfabriken täte ihnen gut, mögen sie sich gedacht haben. Also hat der Lobby-Verband eine Medien-Agentur beauftragt, die nun "mit interessierten Journalisten einen faktenorientierten Dialog führen" will. In einem "Journalisten-Workshop", Hotel-Unterbringung "bei Bedarf" frei. Die Einladungen dazu verschickte praktischerweise der Verlag des Medienmagazins "Journalist", das vom Deutschen Journalistenverband (DJV) herausgegeben wird. Ihre Erlaubnis, so die verärgerte Journalistengewerkschaft, habe sie dazu nicht gegeben. Das Motto der PR-Veranstaltung für Worte und Geflügel klingt trotzdem vielversprechend: "Ab in den Hühnerstall!". Die Parole könnte im Mediengeschäft schnell zum geflügelten Wort im Umgang mit Journalisten aufsteigen.

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