Made in SH : Süße Träume aus Wankendorf

Früchtemeer. Foto: Staudt
Früchtemeer. Foto: Staudt

1996. Das beschauliche Örtchen Wankendorf im Kreis Plön. In einer alten Garage brodelt es. Den ganzen Tag lang, in der Erdbeersaison sogar nachts.

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06. Mai 2009, 05:30 Uhr

In einer 14 Quadratmeter großen Konfitürenküche stehen zahllose Behälter mit selbst gesammelten Beeren. Nahezu pausenlos wird hier gekocht: 30 Marmeladen-Sorten, 40 Gläser am Tag. Der Bürokram wird im früheren Jugendzimmer erledigt. Hätte es diese Garage nicht gegeben, hätten sich diese Szenen vor gut 13 Jahren nicht abgespielt, würden zahlreiche Gaumen heute wohl nicht von ihren süßen Kreationen verwöhnt werden. Susanne Lucht-Thiesen lebt, seit sie mit 24 Jahren die Garage auf dem Grundstück ihrer Eltern in eine kleine Marmeladenfabrik verwandelte, ihren Traum. Trotz Schwangerschaft nahm die heute 37-Jährige damals allen Mut zusammen, tüftelte an eigenen Marmeladenkreationen, brachte sie zum Kochen - und vor allem an den Mann.

Nach dem BWL-Studium leitete sie ein Jahr lang einen Bioladen, doch "ich wollte mein eigener Herr sein. Mit dickem, schwangerem Bauch habe ich dann die Firma gegründet".

Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen nicht einmal fünf Monate, und "FrüchteMeer" war geboren. 100 Sorten Fruchtaufstrich der Qualität "Konfitüre extra", bis zu 3000 Gläschen täglich, halten heute von Wankendorf aus Einzug in über 100 Feinkostläden und in Privathaushalte in ganz Deutschland. "Wir tragen ein Stück Schleswig-Holstein ins ganze Land, aber auch nach Europa, zum Beispiel nach Irland", so die Marmeladen-Liebhaberin.

Ständig schwirren ihr neue Ideen im Kopf umher. Gekocht werden die süßen Gaumenzauber von sechs Mitarbeiterinnen - natürlich nicht mehr in der Garage. Ein paar Straßen weiter ist 2001 eine richtige Manufaktur mit heute 600 Quadratmetern Betriebsfläche entstanden. "Bei meinen Eltern war bald alles voll mit Gläsern, Paletten und Kartons. Ich hatte ganz schnell zu wenig Platz, und so ist dann die Manufaktur entstanden." Doch auch hier keine Spur von monströsen Maschinen. Die Mitarbeiter drehen den Kochlöffel in Töpfen, die man auch auf den heimischen Herd stellen könnte. Alles wird von Hand gemacht, wie in "Garagenzeiten". Konfitüren mit verheißungsvollen Namen nehmen hier ihren Ursprung: Sauerkirsch-Johannisbeer mit Dill und Pfefferminze ergibt "Querbeet", Pfirsich-Möhre-Cranberry wird "Flotte Karotte", Kirsch-Vanille-Rum ein "Seefahrer-Frühstück". Es gibt Kirsche mit Lakritz, Kirsch-Schoko-Cognac und sogar eine "Liebes-Marmelade" aus Sektgelee, Pfeffer und Ingwer. Für weniger experimentierfreudige Genießer hat Susanne Lucht-Thiesen auch klassische Sorten im Angebot, denn: "Eine gute Erdbeermarmelade ist für viele eben auch noch was ganz Tolles." Was sie in all den Jahren nie aus den Augen verloren hat: "Nur wenn man Gutes reintut, kommt auch Gutes dabei raus. Wir wollen hochwertige Konfitüren herstellen, mit denen wir uns identifizieren können, was anderes könnten wir gar nicht verkaufen." Und so passieren nur Früchte von hoher Qualität die Tore der Manufaktur. Einige sammelt die passionierte Marmeladenproduzentin sogar noch selbst, etwa Äpfel, Mirabellen oder Quitten aus dem Garten, "und ich durchstreife unwahrscheinlich gern die Knicks und sammle Beeren". Die meisten Früchte stammen jedoch "aus ganz tollen Partner-Betrieben in Schleswig-Holstein", einige aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. "Es ist wirklich eine große Organisationsfrage", sagt die vierfache Mutter, die die Manufaktur seit mehreren Jahren mit ihrem Mann gemeinsam betreibt. Viel Liebe und Ideenreichtum steckt in den Marmeladen - und das schmeckt man auch.
www.fruechtemeer.de

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