Lübeck : Holstentor

Heute Wahrzeichen, damals Verteidigungsanlage: das Lübecker Holstentor.
Heute Wahrzeichen, damals Verteidigungsanlage: das Lübecker Holstentor.

Sogar auf dem 50 Mark-Schein war es zu sehen: Kaum ein Ort in Schleswig-Holstein ist so bekannt wie das Lübecker Holstentor.

Avatar_shz von
01. November 2007, 04:56 Uhr

Von der Verteidigungsanlage, die den inneren Frieden der Hansestadt im Mittelalter sichern sollte, ist nur noch das bekannte Wahrzeichen Lübecks übrig geblieben. Ursprünglich war das heute als Holstentor bekannte Gebäude allerdings eines vom mehreren Toren der mittealterlichen Stadtbefestigung. 30 Geschütze befanden sich damals im Holstentor - geschossen wurde mit den Boliden jedoch nie.
Zwischen 1464 und 1478 wurde das Tor von dem Lübecker Ratsbaumeister Hinrich Helmstede gebaut. Im Jahre 1863 drohte fast der Abriß des imposanten spätmittelalterlichen Bauwerks: die Lübecker Bürgerschaft lehnte mit nur einer Stimme Mehrheit einen entsprechenden Antrag ab. Bis 1871 wurde der Bau mit seinen kegelrunden Dächern grundsaniert, nachdem er schon fast zur Ruine verfallen war. Zur Befestigung wurde das Holstentor zudem zwischen 1931 und 1933 durch Stahlbetonanker, Eisenringe um die Türme und Zuganker in den Mauern verstärkt.
Die Sicherheitsmaßnahme war anscheinend zwingend notwendig, denn das Tor steht auf einer sieben Meter hohen Aufschüttung. Seit der Fertigstellung versank der Bau immer weiter in dem Moor und Torf, der sich sechs Meter tief darunter befindet. Die unteren Geschütze liegen heute mehr als einen halben Meter unter der Erde.
Wer sich über die Zeichen S.P.Q.L auf der Stadtseite des Holstentores wundert: Die lateinische Abkürzung steht für "Senatus Populusque Lubecensis" – Senat und Volk von Lübeck. Diese Inschrift wurde allerdings erst 1871 angebracht. Vorbild war dabei das römische S.P.Q.R. (Senatus Populusque Romanus) – Senat und Volk von Rom.
Zur selben Zeit wurde das Tor mit einer anderen Inschrift auf der Feldseite verziert: "Concordia domi foris pax" (Eintracht innen, draußen Friede). Diese Inschrift ist eine gekürzte Fassung. Die lange Form lautet "Pulchra Res Est Pax Foris Et Domi Concordia" – draußen Frieden und innen Einigkeit sind eine schöne Sache. Diese allerdings prangte an einem Vortor, dass im 16. Jahrhundert der besseren Verteidigung halber gebaut wurde. Das Vortor im Renaissance-Stil galt als eines der schönsten Bauwerke Lübecks - bis es abgerissen wurde. Es musste der Moderne weichen: Vor dem Holstentor wurde ein Bahnhof gebaut.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen