Land.Leben.Zukunft : Trockene Böden bedeuten mehr Mais

14 Reihen auf einen Streich frisst der weltweit stärkste Maishäcksler – hier im Einsatz  bei Rendswühren. Foto: Henze
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14 Reihen auf einen Streich frisst der weltweit stärkste Maishäcksler – hier im Einsatz bei Rendswühren. Foto: Henze

Wachsende Maisernten sind auch eine Folge des Klimawandels. Der logistischen Herausforderung begegnen die Landwirte mit innovativen Agrar-Systemen.

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31. Oktober 2012, 11:40 Uhr

Osterrönfeld/Rendswühren | Wenn der gelernte Landmaschinenschlosser Kim Osterkamp die beiden Antriebsmotoren mit knapp 1100 PS startet, dann leuchten in der schallgedämmten und klimatisierten Fahrerkabine des Krone Big X-Feldhäckslers diverse Monitore mit einer Vielzahl Angaben und ein Kameradisplay auf. Die würden sich in ihrer Vielfalt und Ausführung in jedem Helikopter-Cockpit gut machen.
"Sogar einen Autopiloten zum zentimetergenauen Abfahren der Felder gibt es", feixt Osterkamp, "auch wenn der heute zickt. Aber manuell gesteuert geht es natürlich auch." Der 25-Jährige fährt den weltweit stärksten Mais-Häcksler. "Bis zu sechs Hektar kann ich in der Stunde bearbeiten, immer 14 Reihen auf einmal", so Osterkamp.
Technisch optimierte Abläufe
EasyCollect, X-Power-Modus, Ican oder auch Crop-Control gehören zum täglichen Arbeitsleben von Kim Osterkamp. Sie bezeichnen komplexe technische Programme, die aus einer landwirtschaftlichen Arbeitsmaschine ein innovatives Agrar-System machen, das nicht nur einen wesentlichen Beitrag zu effizienter Feldbestellung leistet, sondern darüber hinaus auch den ökologischen und ressourcenschonenden Einsatz von Mensch und Material in der landwirtschaftlichen Produktionskette gewährleistet. Innovative Systeme, die ihre volle Leistungsfähigkeit aber nur dann nachweisen können, wenn sie von erstklassig ausgebildeten Maschinenführern bedient und gewartet werden.

Gelassen dirigiert der junge Mann über Funk und Handy die gesamte Erntekolonne auf einem Feld in der Nähe von Rendswühren bei Neumünster, bestellt darüber aber auch das Straßenreinigungsfahrzeug, wenn Häcksel-Einsatz und Abfuhr beendet sind. Häckseln - also das zerkleinern der Maisstängel, Kolben und Blätter - ist die eine Sache. Aber die komplexe Logistik, die hinter einem solchen Agrar-Einsatz steht, ist noch wesentlich beeindruckender.
Wenn die Abfahrer mit ihren voluminösen Hängern nicht pünktlich und am richtigen Ort zur Stelle oder die Abladeflächen nicht vorbereitet sind, dann verzögert sich die Ernte, kostet zusätzlich Zeit und Geld, womit niemanden geholfen wäre. Für den Landwirt oder Lohnunternehmer wird der Einsatz teurer, letztlich aber zahlt die höheren Kosten der Endverbraucher. Verteuern sich landwirtschaftliche Produkte, dann macht sich das nur mit kurzer Verzögerung in deren Geldbörsen bemerkbar.
Spitze der Produktion erreicht
2012 wurden in Schleswig-Holstein rund 181.000 Hektar Ackerfläche mit Mais bebaut. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang. Tatsächlich hat der Maisanbau aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen. "Der Rückgang 2012 hatte mit dem ungünstigen Winterwetter zu tun, weil dadurch das Ausbringen der Rapssaat verhindert wurde", so Dr. Edgar Techow, Fachbereichsleiter Pflanzenbau in der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.
"Ich denke, wir haben beim Maisanbau jetzt aber die Spitze der Produktion erreicht." Umso mehr die Landwirte begonnen hätten, den Mais aus schwächeren Bodenlagen wieder hinaus zu nehmen. "Die Erträge stimmen auf schweren und feuchten Böden nicht", so Techow weiter. Mais brauche vor allem leichte und trockene Böden, anders als Gras und Getreide. Genau diese Flächen hätten sich bedingt durch die Klimaveränderung in den vergangenen Jahren ausgedehnt. Edgar Techow dazu: "Der Klimawandel kommt nicht, der Klimawandel ist längst da, insofern hate der zunehmende Maisanbau auch etwas Zwangsläufiges."
Maisanbau muss umweltschonender werden
Der steigende Maisanbau im Norden hat im Wesentlichen drei Ursachen: Neben der wachsenden Nutzung als "Treibstoff" für Biogas-Anlagen sind auch der Klimawandel allgemein und die gestiegene Milchproduktion dafür verantwortlich. Alternativen für den Mais als Bio-Treibstoff sind noch nicht wirklich in Sicht.
Versuche mit durchwachsender Silphie, einem nordamerikanischer Korbblütler, und ungarischem Energiegras, auch Hirschgras oder Riesen-Weizengras genannt, waren nicht sonderlich erfolgreich. Ersatz kann bestenfalls durch Getreide, Rüben oder Gras kommen, alles andere würde im Norden nichts bringen, so Techow. "Wir müssen aber alles tun, um den Maisanbau noch umweltschonender zu kultivieren". Dazu würde die so genannte Winterbegrünung der Felder ebenso so gehören wie die gezieltere Düngung. "Letztlich muss der Maisanbau aus den schwächeren Lagen wieder raus, aber auf der Geest wird er bis auf Weiteres alternativlos bleiben."

Mais in Zahlen


  • Mais ist eine wertvolle Kulturpflanze und stammt aus der Familie der Süßgräser. Er bringt einen hohen Ertrag an Biomasse, ist dadurch besonders effizient und leistungsfähig in der Energieerzeugung.
  • Weltweit wird Mais auf rund 150 Millionen Hektar Fläche angebaut, 750 Millionen Tonnen werden jedes Jahr geerntet. Dies sind etwa 34 Prozent der weltweiten Getreideproduktion.
  • Genutzt wird Mais vor allem als Futterpflanze und als Nahrungsmittel, in Industrieländern auch als Energiepflanze.
  • 2012 wurden in Schleswig-Holstein rund 181.000 Hektar Ackerfläche mit Mais bebaut. Dies entspricht etwa 18 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um rund 14.000 Hektar.
  • Rund die Hälfte der schleswig-holsteinischen Maisernte wird als hochwertiges Viehfutter eingesetzt. Die anderen 50 Prozent dienen vor allem als Treibstoff in Biogas-Anlagen. (Quelle: Landwirtschaftskammer)
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