"Bürgerwald Pansdorf" : Bürger pflanzen Buchen und Eichen für Pansdorf

Pflanzten mit: Johann Böhling, Referatsleiter Oberste Forst- und Jagdbehörde (li.) und Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer, Ministerium für Engergiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Foto: SHLf/Neuburg
Pflanzten mit: Johann Böhling, Referatsleiter Oberste Forst- und Jagdbehörde (li.) und Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer, Ministerium für Engergiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Foto: SHLf/Neuburg

Warum muss abgeholzt werden? Mit der Aktion "Bürgerwald Pansdorf" leisten die Landesforsten jetzt Aufklärungsarbeit.

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28. März 2013, 01:13 Uhr

Pansdorf | Wenn im Pansdorfer Wald Bäume gefällt wurden, dann gingen einige Bürger regelmäßig auf die Barrikaden. Vergeblich suchte Revierleiter Eckehard Heisinger von der Försterei Ahrensbök mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Denn hier handelte es nicht um sinnloses Abholzen, sondern überlegte Aufforstung, so Heisinger. Mit der Aktion "Bürgerwald Pansdorf" haben die Landesforsten jetzt Aufklärungsarbeit geleistet: Rund 150 Bürger, Staatssekretär Dr. Ulf Kämpfer (MELUR), Johann Böhling von der Obersten Forst- und Jagdbehörde und der Tim Scherer, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) griffen zum Spaten - und erfuhren, warum abgeholzt werden muss.
Anfang des 20. Jahrhunderts wuchsen auf dem Gelände im Kreis Ostholstein Eichen und Buchen, weiß Heisinger. Doch strenge Winter im Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg ließen den Menschen auf der Suche nach Feuerholz zu Axt und Säge greifen. Kahlschlag war das Ergebnis. Damit es nicht zur Bodenerosion kam, wurde nach 1947 schnell wieder aufgeforstet - mit preisgünstigen und schnell wachsenden Kiefern, Lärchen und Fichten. "Ein Mischwald kostet pro Hektar das dreifache eines Nadelbaumwaldes", weiß der Revierleiter. Müssen für ein Hektar Fichten circa 5000 Euro gezahlt werden, sind für Mischwald rund 15 000 Euro nötig. "Damals hatte man das Geld nicht", so Heisinger.
Die Nadelbäume sind anfällig für Wind und Wetter. So wurde in den vergangenen fünf Jahren ein Teil der Fichten "eingeschlagen" um Platz zu schaffen für die neuen Bäume. Werden nur drei bis vier Bäume gefällt, erläutert der Experte, entsteht zwar ein Lichtloch. Aber die restlichen Bäume bereiten dann ihre Kronen aus, der Boden wird wieder beschattet. "Aber standortgerechte Pflanzen brauchen Licht!" Also müssen zehn bis zwanzig Prozent der Bäume gefällt werden.
Auf einer fünf Hektar großen Fläche wurden jetzt drei- bis vierjährige Buchen und Stieleichen gesetzt. Einen Teil finanzierten die Landesforsten, einen Teil die Bürger. Für einen Euro konnten sie einen Baum kaufen. "So können sie schauen, wie sich ihr Baum i entwickelt", erläutert Heisinger den Grund für das Projekt Bürgerwald. Zwei Schulklassen waren mit von der Partie und eine Familie schenkte ihrem Sohn zum sechsten Geburtstag einen kleinen Wald: Für 50 Euro pflanzten sie 50 Buchen. Der stufige, artenreiche Mischwald benötigt allerdings mehr als zwanzig Jahre, bis er "groß" ist und forstwirtschaftlich genutzt werden kann. "Der Holzbedarf ist ja da", sagt Heisinger. Für neue Bäume wird die Natur dann selber sorgen: Durch Bucheckern und Eicheln reproduzieren sie sich selbst.

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